Drei Ex-TV-Chefs in der Türkei zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

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In der Türkei sind drei einstige Führungsfiguren eines inzwischen geschlossenen linksgerichteten Fernsehsenders zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Zwei frühere Miteigentümer und der Chefredakteur von Hayatin Sesi TV wurden wegen "Terrorpropaganda" zu jeweils drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Dies geht aus einer Mitteilung der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen am Mittwoch hervor. Die Organisation nannte das Urteil "hart und unverhältnismäßig".

Die Staatsanwaltschaft hatte für die früheren Miteigentümer Mustafa Kara und Ismail Gokhan Bayram sowie für Chefredakteur Gokhan Cetin sogar mindestens 13 Jahre Haft gefordert. Ihnen wurde "Terrorpropaganda" für die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) vorgeworfen. Bis zu einem Berufungsurteil bleiben sie laut Reporter ohne Grenzen auf freiem Fuß.

Ihr Sender war Präsident Recep Tayyip Erdogan gegenüber stets äußerst kritisch eingestellt. Über die Proteste im Sommer 2013 berichtete Hayatin Sesi TV ("Stimme des Lebens") ausführlich. Nach dem gescheiterten Putsch im Jahr 2016 wurde der Sender geschlossen. In der Türkei sitzen nach Angaben der Presserechtsgruppe P24 derzeit 183 Journalisten im Gefängnis.