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Versicherung nur noch mit „Fitnesstracker“

Symbolbild.
Symbolbild.(c) REUTERS (FABRIZIO BENSCH)
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Lebensversicherer bietet keine klassischen Polizzen mehr an.

Wien. John Hancock hat eine große Tradition: Seit 156 Jahren bietet der amerikanische Versicherer Polizzen für Lebensversicherungen an. Aber damit ist jetzt Schluss, zumindest in der klassischen Form. Ab sofort zwingt das Unternehmen, das zur kanadischen Manulife-Gruppe gehört, jeden neuen Kunden, am Vitality-Programm teilzunehmen. Und das heißt: Ein Fitnessarmband oder eine Apple Watch zu tragen, also Geräte, die nicht nur Puls und Blutdruck messen, sondern auch genau registrieren, wie viel Sport ihre Träger treiben. Wer brav seine Übungen macht und über die App gesundes Essen kauft, zahlt eine um bis zu 15 Prozent niedrigere Prämie. Zusätzlich winken Rabatte und Gutscheine bei Amazon. Die Option gibt es seit 2015 und wird von 40 Prozent der Kunden genutzt; alle anderen müssen bis nächstes Jahr auf das neue System umsteigen.

 

Umstrittenes Programm

Das Vitality-Programm kam 1997 von Südafrika aus auf den Markt. In Deutschland setzen es die Hannover Rück und die Generali ein. Der Anreiz scheint zu funktionieren: Nach den Angaben von John Hancock leben Teilnehmer an dem Programm weltweit um 13 bis 21 Jahre länger als der Rest der Versicherten; die Kosten für ihre Spitalsaufenthalte seien um 30 Prozent niedriger.

Dennoch ist das Prinzip wild umstritten. Es gibt Sorgen um die Datensicherheit, aber auch prinzipielle Bedenken: Die Versicherungen könnten sich die profitabelsten Kunden aussuchen und alle weniger Gesunden entweder ausschließen oder nur zu sehr hohen Prämien versichern. Damit würden sie sich zu stark auf individuelle Risiken konzentrieren. Unter die Räder käme dabei das Versicherungsprinzip selbst, bei dem einzelne Schäden über eine große Menge an Kunden ausgeglichen werden. Die teilnehmenden Versicherer beteuern, dass sie einer strengen Regulierung unterliegen und jede Änderung ihre Prämienberechnung versicherungsmathematisch rechtfertigen müssen. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2018)