VW: Dieselskandal bringt erotische Mails hervor

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Logo des Automobilherstellers VW Volkswagen DEU Berlin 23 08 2018imago/Jens Schicke
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Im Rahmen der Ermittlungen wurden tausende Mails gesichtet. Dabei zeigt sich, dass es in Wolfsburg nicht nur um Motoren und Getriebe ging.

Seit Monaten laufen die Ermittlungen rund um den VW-Dieselskandal. Von der Staatsanwaltschaft werden dabei auch tausende Mails gesichtet, die sich die Mitarbeiter gegenseitig geschickt haben. So soll herausgefunden werden, ab wann wer im Konzern von den Manipulationen bei dem Dieselmotor EA 189 gewusst hat. Besonders im Fokus liegt dabei der 27. Juli 2015. Denn an diesem Tag gab es eine große Sitzung, bei der das Thema im weiteren Kreis besprochen und sogar erste überschlagsmäßige Schadensberechnungen erstellt wurden. Dies ist insofern von Interesse, weil VW den Skandal erst nach der öffentlichen Mitteilung der US-Umweltbehörde EPA am 18. September 2015 per ad-hoc Meldung öffentlich gemacht hat.

Der Ermittlungsakt zeigt nun, dass einige entscheidende Mitarbeiter an diesem Tag nicht wirklich bei der Sache waren, wie das "Handelsblatt" berichtet. So schrieb etwa ein Motoren-Experte an diesem Tag an seine Sekretärin: „Hallo mein Schatz, eben hat WiKo mich zu dem kritischen Thema Dieselzulassung USA angerufen. Er ist aber sehr ruhig und sachlich geblieben, war trotz der Ernsthaftigkeit ein gutes Gespräch. Der Punkt ist heute auch auf dem Schadenstisch, das braucht eigentlich kein Mensch. :-(“ Mit WiKo war demnach der damalige VW-Chef Martin Winterkorn gemeint, als Schadenstisch wurden jene Besprechungen bezeichnet, bei denen es um Probleme ging.

Abgelenkter Motorenentwickler

Diese wichtige Sitzung ist in der Folge für den Motorenentwickler jedoch nur zweitrangig. So schreibt er weiter: "Also, wenn ich Dir jetzt beschreibe, was ich in meiner Phantasie alles mit Dir anstelle, dann kann ich mich nachhaltig für den Rest des Tages nicht mehr auf meinen Job konzentrieren.“ Bei der Sekretärin kommen seine Annäherungsversuche an diesem Tag durchaus gut an. Sie schreibt ihm zurück: „Zugegebenermaßen würde ich dich schon mal ganz gern am ganzen Körper abfühlen."

Inwiefern diese zwischenmenschliche Ablenkung die entscheidende Sitzung zwischen Motorenentwicklern und Top-Management an diesem Tag beeinflusst hat, geht aus dem Ermittlungsakt nicht hervor. Klar ist allerdings, dass dieser 27. Juli 2015 auch bei dem Gerichtsprozess, den VW-Investoren gegen den Konzern führen eine entscheidende Rolle spielen wird. Laut erfolgte die Veröffentlichung des Skandals durch den Hersteller nämlich zu spät. Sie fordern dafür Schadenersatz in Milliardenhöhe.

(red.)

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