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Der Eisvogel profitiert von grenzenloser Forschung

Die EU fördert die Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen im Donauraum. Das soll wirtschaftlichen Erfolg bringen, kann aber auch dem Artenschutz dienen. Ein Wasserbauprojekt der Boku Wien gilt als Vorreiter.

Auf der Donau mussten große Schiffe im vergangenen Sommer oft unfreiwillig vor Anker gehen. Die Wassertiefe von 2,5 Metern wurde im ungarischen Donauabschnitt unterschritten. Um die Fahrwassertiefe für Schiffe bei Niedrigwasser zu garantieren, sucht Helmut Habersack vom Institut für Wasserwirtschaft, Hydrologie und konstruktiven Wasserbau der Boku Wien gemeinsam mit Forschern und Praktikern in der Slowakei, Tschechien und Ungarn nach Verbesserungen beim Bau von Buhnen (Dämmen) und im Sedimentmanagement. Dabei sollen in der Fahrrinne die Wassertiefe erhöht und im Uferbereich die Strömungsverhältnisse natürlicher werden. „Dies wird auch ökologische Vorteile haben. Eisvögel und Flussuferläufer bekommen neue Lebensräume“, sagt Habersack.

Es liegt auf der Hand, dass Projekte wie dieses grenzüberschreitend angelegt sein müssen. In allen drei Partnerländern werden Messstellen zur Schwebstoffmessung eingerichtet, in Tschechien an der Thaya, in Österreich, der Slowakei und Ungarn an der Donau. Außerdem erhalten die Partner neue Messschiffe und Laborausstattungen. Habersack ist damit ein Pionier für die Forschungszusammenarbeit im Donauraum.

 

Gemeinsame Forschungen

Das Zentrum für Soziale Innovation (ZSI) bringt Projekte wie dieses in die ganze Region. „Nur so kann sich ein gemeinsamer europäischer Forschungsraum herausbilden, der schwächere Länder integriert“, sagt Felix Gajdusek, der Verantwortliche für ResInfra@DR, wie das Projekt zur Forschungsinfrastruktur im Donauraum heißt, das aus dem Donauraumprogramm gefördert wird. Das ZSI hat bei Workshops und Trainings in Budapest, Sofia und Wien versucht, die Vorteile der Zusammenarbeit zwischen den Forschern, ihren Labors an den Universitäten und industriellen Anwendern für alle beteiligten Staaten anzustoßen. Auch Vertreter der Industrie sollen die Möglichkeiten effektiv nutzen können, die die vorhandene Forschungsinfrastruktur bietet.

Im Donauraum existiert laut Gajdusek zwar eine „unglaubliche Fülle an Universitäten“. Diese nehmen aber oft nur die Rolle von Bildungs- und nicht von Forschungseinrichtungen ein. Häufig fehlten die Ressourcen, Forschungsergebnisse auch in praktische Produkte umzusetzen. Deshalb werden Wissenschaftsmanager durch Projekte wie ReSTI in Excellence gefördert. Besonders Jungforscher benötigten Managementwissen. „Für eine ausgewogene Position der Länder in der Region im europäischen Forschungsraum sind die nationalen Forschungskapazitäten und damit auch die nötigen Investitionen das wichtigste Element“, erklärt Gajdusek. Die Hoffnung, dass europäische Strukturfondsmittel oder europäische Forschungsprojekte nationale Unterfinanzierung abfedern können, sei ein Trugschluss.

„Moldawien und Serbien arbeiten an der Entwicklung sektorübergreifender Innovationsstrategien für die Wissensgesellschaft – es tut sich was“, erklärt Gajdusek. Auch Labors ergreifen die Chance, voranzukommen. Die Elektronikfakultät in Banja Luka tausche sich mit der TU von Košice aus, mit dabei ist in Bosnien das Forschungsministerium, das die Kooperation als ResInfra@DR-Partner ermöglicht. Bisher fehle es am breiten Wissensaustausch im Donauraum.
Aber auch die Mentalität, Erkenntnisse und Forschungsergebnisse nicht zu teilen, sondern eher für sich zu behalten, mache vieles komplizierter. Das soll sich durch die Kooperationen ändern.

Lexikon

Das Donauraumprogramm wird vom Wissenschaftsministerium gefördert. Länder wie Moldawien, die Ukraine, Rumänien, Bulgarien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Kroatien, Slowenien, die Tschechische Republik, die Slowakei, Deutschland und Österreich sind hier aktiv.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2018)