Warum eine Jahresendrallye noch möglich ist

Analysten trauen der Aktie der Baumarktkette Hornbach ein Aufwärtspotenzial von 50 Prozent zu.
Analysten trauen der Aktie der Baumarktkette Hornbach ein Aufwärtspotenzial von 50 Prozent zu.(c) Uwe Anspach / picturedesk.

Warum trotz aller Unkenrufe eine Jahresendrallye noch möglich ist und wie eine deutsche Baumarktkette dazu beitragen kann.

Natürlich wird beizeiten eine wirtschaftliche Rezession in den USA eintreten. Aber so manche Unkenrufe scheinen doch eine Spur zu alarmistisch. Etwa der von Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund Phelps, der soeben im Interview mit der „Presse“ davon gesprochen hat, dass eine solche Rezession schon „in sechs bis zwölf Monaten“ realistisch sei.
Das schlägt sich nämlich sehr mit der Einschätzung von Notenbankchef Jerome Powell, der am Donnerstag, einen Tag nach der weiteren Anhebung des Leitzinssatzes (siehe Artikel unten), meinte: „Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den nächsten ein bis zwei Jahren überhaupt erhöht ist.“


Warum wir die Kolumne über Geldanlage mit makroökonomischem Stoff beginnen – weil das Rezessionsthema plötzlich stark umgeht. Gut möglich, dass damit einfach die US-Administration vor unbedachten Schritten vor allem in der Handelspolitik gewarnt werden soll, um nicht durch eine etwaige Eskalation im Handelskonflikt eine Verlangsamung des Wachstums zu beschleunigen.


Eine Verlangsamung wird auch so allmählich eintreten – und zwar in Europa, wo der Fachkräftemangel immer mehr zur Aufschwungsbremse wird, gleich wie in den USA. Die Gefahrenherde werden ja nicht weniger: China wird sich von den USA nicht erpressen lassen, die Situation in der Türkei oder in Südamerika ist auch nicht ohne.


Im Unterschied zu Europas Börsen sind die Anleger in den USA jedenfalls positiv gestimmt. Europa, heuer ohnehin Nachzügler, leidet ja seit Freitag wieder unter der italienischen Schuldenpolitik. Das drückte nicht nur die italienischen Aktien stark nach unten. Auf dem Markt muss dieser Schock nicht unbedingt lang anhalten, zumal Brüssel keine Eskalation durch eine Maßregelung Italiens riskieren wird.


Generell ist zu sagen: Durch den Optimismus und die Konjunktur in den USA haben die dortigen Börsenindizes mittlerweile auch schon eine sehr kritische Höhe erreicht, während etwa der deutsche Dax in einem Seitwärtstrend steckt. Die US-Börse könnte trotzdem noch weiter aufzeigen. Beobachter erwarten nämlich, dass mit der anstehenden Berichtssaison für das dritte Quartal die Konzerne des US-Index S&P 500 Gewinnsteigerungen um etwa ein Fünftel ausweisen werden.
Das Börsenjahr ist aber auch in Europa noch nicht aus und das vierte Quartal traditionell stark. Und angesichts der niedrigeren Bewertungen als in den USA ist eine mehr oder weniger starke Jahresendrallye zumindest nicht ausgeschlossen. Manche Aktien drehen ja gerade wieder nach oben.


Etwa die deutsche Baumarktkette Hornbach (ISIN: DE0006083405). Die Wetterextreme in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2018/2019 hatten Gewinnrückschläge gebracht. Aber Hornbach hat diese Woche erklärt, den Rückstand in der zweiten Jahreshälfte fast wettzumachen, weshalb auch die Ziele für das gesamte Geschäftsjahr bestätigt wurden. Der Aktie hat das einen Befreiungsschlag aus dem Abwärtstrend verschafft. Analysten trauen ihr, ausgehend vom jetzigen Kursniveau bei 60,4 Euro, ein signifikantes Aufwärtspotenzial von 50 Prozent zu.
Einen Boden gefunden haben dürfte auch die deutsche HelloFresh (ISIN: DE000A161408). Der 2011 gegründete Versender von Kochboxen hat zwar die Gewinnschwelle vom vierten Quartal auf 2019 verschoben. Aber der Aktienkurs von aktuell elf Euro biete eine „fantastische Einstiegsgelegenheit“, schreibt die Berenberg Bank und belässt das Kursziel bei satten 17 Euro.


Auf Sicht attraktiv bleibt der Ölsektor. Der unerwartet hohe Ölpreis von über 80 Dollar je Barrel könnte diversen Prognosen zufolge auf 100 Dollar steigen. In einer guten Position sind russische Ölfirmen, weil der billige Rubel die Ausgaben verringert. Einen Blick wert ist Russlands zweiter Ölkonzern Lukoil (ISIN: US69343P1057), der soeben von der Agentur Platts im Ranking der globalen Topenergiekonzerne auf Platz zwei gehievt wurde. Lukoil ist keine Staatsfirma und daher von US-Sanktionen weniger gefährdet. Die Aktie hat – wie alle Ölwerte – zuletzt schon angezogen. An schwächeren Tagen scheint ein Einstieg nicht abwegig.

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