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Deutsche Grüne auf dem Vormarsch: In Umfragen erstmals vor SPD

Robert Habeck und Annalena Baerbock brachten die Grünen in Deutschland auf Kurs.
Robert Habeck und Annalena Baerbock brachten die Grünen in Deutschland auf Kurs.APA/AFP/DPA/BERND VON JUTRCZENKA
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Das Trendbarometer von RTL und n-tv sieht die Grünen bei derzeit 17 Prozent, knapp vor der SPD. Die Grünen profitieren von zweierlei Faktoren. Bei den Wahlen in Bayern könnten sie den Erfolg erstmals ernten.

Erst war es die AfD, nun überholen in Umfragen auch die Grünen die SPD - das war schon einmal der Fall, im Jahr 2011, als eine Tsunamiwelle das Akw Fukushima in Japan überschwemmte und eine nukleare Katastrophe auslöste. Doch diesmal ist es kein Umweltdesaster, das die Grünen zu neuer Stärke führt. Es ist neben neuem Spitzenpersonal samt neuer Strategie auch die desaströse Regierungsleistung von CDU/CSU und SPD.

In dem am Montag veröffentlichten Trendbarometer der Fernsehsender RTL und n-tv kamen die Grünen auf 17 Prozent, während die SPD 16 Prozent erreichte. Die Union aus CDU und CSU kam in der Umfrage des Instituts Forsa auf 28 Prozent, die AfD liegt mit 15 Prozent ebenfalls nicht weit entfernt von SPD und die Linke erreichte zehn Prozent. Die FDP verbuchte neun Prozent. 31 Prozent der deutschen Wahlberechtigten sind unentschlossen oder würden nicht wählen. Für die Umfrage zu den Parteipräferenzen hatte Forsa vom 24. bis zum 28. September 2.501 Menschen befragt. Die statistische Fehlertoleranz wurde mit 2,5 Prozentpunkten angegeben. 

SPD kommt nicht in die Gänge

Es war kein allzu gelungenes Jahr der SPD. Erst die herben Verluste bei der Bundestagswahl im Oktober 2017. Man wollte zuerst nicht regieren, ließ sich aber dann mangels Koalitions-Alternativen von CDU/CSU und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreden - aus Staats-Räson sozusagen. Doch in den ersten Monaten gelang inhaltlich nicht viel. Man stand zwar nicht mehr im Schatten einer Über-Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wie in den Jahren vor der Flüchtlingskrise 2015 - aber nach der mühsamen Regierungsbildung - gegen der Willen mancher Gruppen in der Partei, etwa der Jungen Sozialisten - war 2018 Streit angesagt. Großteils rund um Innenminister Horst Seehofer (CSU) - zuerst die Debatte um Abweisung von Migranten an der Grenze, dann jene um die Versetzung des Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen. Den Ankündigungen, jetzt aber wirklich wieder Ideen umsetzen zu wollen, müssen erst Taten folgen.

Vor allem die SPD verliert jene potenziellen Wähler an die Grünen, die mit dem migrationspolitischen Kurs der Regierung, bzw. von Innenminister Seehofer, nicht zufrieden sind. Das sieht man auch an den Umfragen in Bayern, wo in zwei Wochen gewählt wird. In Umfragen dümpelten die Sozialdemokraten zuletzt bei bescheidenen zwölf Prozent, während die Grünen auf 17 Prozent kamen. Kurz vor dem Wahlsonntag will der Bayrische Rundfunk daher noch einmal einen Blick auf die Beliebtheitswerte werfen und dann entscheiden, ob und mit wem Söder diskutieren wird.

Für den neuen Erfolg gibt es einige Gründe, analysierte "Die Presse" bereits Ende August" [premium]. Einer der wichtigsten heißt Robert Habeck: 48, studierter Philosoph aus Norddeutschland, seit Jänner gemeinsam mit Annalena Baerbock an der grünen Spitze. Das Besserwisser-Image sollte der Vergangenheit angehören, ein junges, man wollte sich ein unkonventionelles Profil zulegen, die neue starke Kraft links der Mitte sein – ohne die üblichen Flügelkämpfe. Im Bund suchen die Sozialdemokraten die Balance zwischen konstruktiver Regierungsarbeit und eigenem Profil, in Bayern vergrämte die CSU im Streit mit der CDU viele weibliche Wähler. Aus beiden Krisen könnten die Grünen profitieren.

Dreikampf um Platz zwei

Weniger im selben Wählerpool fischt die rechtspopulistische Afd. Doch auch sie konnte die SPD in Umfragen schon überholen. Die AfD ist laut Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid wöchentlich für "Bild am Sonntag" erhebt, zweitstärkste Partei in Deutschland. Sie legt einen Zähler zu auf 17 Prozent. Die SPD verliert dagegen einen Punkt und kommt nur noch auf 16 Prozent. Auch die Unionsparteien rutschen in der Gunst der Wähler ab. Für sie sprachen sich nur noch 27 Prozent der Umfrageteilnehmer aus. Die Grünen gewannen einen Punkt und kommen auf 15 Prozent. Die Linke liegt dahinter mit elf Prozent, die FDP steigt um einen Zähler auf zehn Prozent. Für den Sonntagstrend hat Emnid zwischen dem 20. September und dem 26. September 2018 1902 Personen befragt.

(APA/AFP/klepa)