Nach Tsunami: Indonesien bittet um internationale Hilfe

Ein Bild aus der Inselhauptstadt Palu, die von der Tsunamiwelle hart getroffen wurde.
Ein Bild aus der Inselhauptstadt Palu, die von der Tsunamiwelle hart getroffen wurde.REUTERS
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Mindestens 48.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, viele Regionen sind von den Rettern noch gar nicht erreicht worden. Die EU stellt 1,5 Millionen Euro bereit.

Nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe hat Indonesien um internationale Hilfe gebeten. Präsident Joko Widodo habe der Regierung erlaubt, internationale Katastrophenhilfe anzunehmen, sagte Regierungsvertreter Tom Lembong am Montag.

Die EU hat 1,5 Millionen Euro an humanitärer Soforthilfe für das von einem Erdbeben und einem Tsunami getroffene Indonesien freigegeben, gab die Kommission am Montag bekannt. Für das von schweren Überschwemmungen heimgesuchte Nigeria sei eine Million Euro für Sofortmaßnahmen freigeben worden. Zudem schicke die EU einen Experten zur Koordinierung der EU-Hilfe nach Indonesien. Auch sei Copernicus, der europäische Kartierungsdienst für Katastrophen- und Krisenmanagement, sowohl für Indonesien als auch für Nigeria aktiviert worden, sagte ein Kommissionssprecher.

Vier Tage nach der Katastrophe aus Sulawesi sind einige Gebiete immer noch von der Außenwelt abgeschnitten, die Behörden rechnen mit zahlreichen weiteren Opfern. Am Montag wurden erste Massengräber ausgehoben. Bisher wurden nach jüngsten offiziellen Angaben 844 Tote identifiziert, mindestens 90 Menschen werden diesen Informationen vermisst.

Befürchtet wird, dass die Zahl der Toten noch deutlich steigt: Das Schicksal von tausenden Bewohnern abgelegener Gebiete ist weiterhin unklar. Mindestens 48.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die Behörden erklärten einen zweiwöchigen Notstand.

Viele Gebiete immer noch ohne Strom

Auch am Montag hatten die Helfer Probleme, über zerstörte Straßen, Brücken und Häfen zu den Hilfsbedürftigen vorzudringen. In den meisten Gebieten gab es nach wie vor keinen Strom, lebenswichtige Medikamente wurden knapp.

Oftmals fehlte schweres Räumgerät, um Überlebende aus eingestürzten Gebäuden zu bergen. Allein in den Trümmern eines Hotels der verwüsteten Küstenstadt Palu wurden bis zu 60 Verschüttete vermutet. Bisher konnten zwei von ihnen lebend geborgen werden.

Auch Lebensmittel, Wasser und Treibstoff gingen zur Neige. In ihrer Not plünderten Einwohner die Geschäfte. "Es gibt keine Hilfe. Wir brauchen Lebensmittel, uns bleibt keine andere Wahl", sagte ein Einwohner von Palu, während er seinen Korb mit Waren aus einem leer stehenden Geschäft füllte.

Schwer traumatisierte Überlebende suchten unterdessen verzweifelt nach vermissten Angehörigen. Zu ihnen gehört Adi, dessen Frau von einer Welle fortgerissen wurde. Sie wurden am Strand von Palu vom Tsunami überrascht. Sie hätten sich umarmt, doch "als die Welle kam, verlor ich sie", berichtete Adi. "Sie trug mich 50 Meter fort, ich konnte nichts mehr halten".

Massengräber für die Toten

Am Montag wurden Massengräber für die Toten ausgehoben. In den Hügeln von Palu wurden die ersten Opfer bestattet - ein AFP-Reporter sah, wie von drei Lastwagen Leichensäcke geladen wurden. Die Behörden gaben Anweisung, genügend Platz für 1.300 Opfer zu schaffen. Mit den Massenbeisetzungen wollen die Behörden die Ausbreitung von Krankheiten verhindern.

Aus drei Haftanstalten von Sulawesi entkamen unterdessen rund 1.200 Insassen. Zwei der Gefängnisse stehen nach Angaben des Justizministeriums in Palu. Die Häftlinge seien nach dem Beben in Panik aus den hoffnungslos überfüllten Anstalten ausgebrochen, sagte die Ministeriumsvertreterin Sri Puguh Utami. "Für sie war das sicherlich eine Frage von Leben und Tod."

In dem ebenfalls betroffenen Gebiet Donggala setzten hunderte Gefangene das Gefängnis in Brand, um zu ihren Angehörigen zu gelangen. Die meisten Häftlinge saßen laut Ministerium wegen Korruption und Drogendelikten in Haft. Fünf wegen Terrors Verurteilte waren demnach nur wenige Tage vor der Katastrophe aus Donggala verlegt worden.

Erdbeben und Tsunami in Indonesien
Erdbeben und Tsunami in IndonesienAPA

(APA/AFP/dpa)

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