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„Schieferfelder sind relativ rasch leer gepumpt“

(c) REUTERS (Ernest Scheyder)
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Die geopolitischen Spannungen hinterlassen auch Spuren auf dem Ölmarkt. Der Fondsmanager Mark Hume von Black Rock rechnet deshalb mit weiter steigenden Preisen. US-Schieferöl sieht er nicht als Allheilmittel.

Die Presse: Nachdem das Ölkartell Opec nicht auf Trumps Forderung nach einer höheren Produktion einging, sprang die Notierung auf 80 Dollar. Haben die geopolitischen Konflikte nun auch den Ölmarkt erreicht?

Mark Hume: Auf jeden Fall, wobei der Konflikt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt aufflammt. Derzeit sind nämlich die freien Kapazitäten von rund 2,5 Millionen Fass pro Tag auf ein Zehn-Jahres-Tief gesunken. Das sind knapp mehr als zwei Prozent der weltweiten Nachfrage von 100 Millionen Fass pro Tag. Auf diese Kapazitäten, die Großteils aus Saudiarabien kommen, wird bei Engpässen zugegriffen, um Preisausschläge zu vermeiden. Allerdings gibt es Zweifel, ob sie in vollem Ausmaß zur Verfügung stehen. Da gießen neue US-Sanktionen gegen den Iran weiteres Öl ins Feuer.

Inwiefern könnte das die Spannungen auf dem Markt erhöhen?

Mit dem Wegfall des Iran werden dem Weltmarkt täglich eine Million Fass fehlen. Das ist fast die Hälfte der freien Kapazitäten. Sollten sich die Konflikte verschärfen, bleibt wenig Spielraum. Und das macht die Märkte nervös. Inzwischen rechnen zahlreiche Analysten mit einem Ölpreis von 100 Dollar, was in den kommenden sechs bis zwölf Monaten möglich ist.


Wie rasch könnte ein allzu hoher Ölpreis die globale Nachfrage dämpfen?

Längerfristig wird ein hoher Ölpreis tatsächlich die Nachfrage dämpfen, zumal in einigen Schwellenländern die Subventionen für Sprit gestrichen wurden. Zudem verlieren gerade viele Schwellenländerwährungen gegenüber dem Dollar kräftig an Wert, was die Ölimporte verteuert. Und das lastet wiederum auf der Nachfrage, somit auch auf dem Ölpreis.


Tut das nicht ohnedies die Schieferproduktion, die bei höheren Ölpreisen rasch wieder anspringt?

Noch vor einiger Zeit glaubte man an den endlosen Nachschub aus den US-Schiefergesteinen, sobald die Ölpreise steigen. Allerdings wurde allein in den vergangenen drei Jahren jenes Schieferöl, das günstig gefördert werden kann, aus den Gesteinen herausgepresst. Zudem ist die Erschöpfungsrate bei Schieferfeldern mit 35 Prozent pro Jahr besonders hoch. Im globalen Schnitt liegt sie bei rund fünf Prozent. Schieferfelder sind also relativ rasch leergepumpt.


Weshalb investieren Sie mit dem Black Rock World Energy Fund dann auch in diesen Bereich?

Investoren haben bei vielen dieser Unternehmen zuletzt einen Paradigmenwechsel erzwungen. Früher bekamen Unternehmen aus der US-Schieferbranche Geld praktisch nachgeschmissen. Nun müssen die Manager etwa den Gewinn je Aktie steigern, um Bonuszahlungen zu erhalten. Sie werden damit zu Effizienz gezwungen.


Dabei stechen vor allem Aktien wie EOG Resources, En Cana Corporation und Pioneer Natural Resources unter den größten Fondspositionen hervor. Was steckt dahinter?

Die Schiefergesteinsqualität in deren Fördergebieten ist hervorragend. Hinzu kommt, dass es derzeit nicht genügend Pipelines etwa in Westtexas gibt, um das geförderte Öl vollständig an die Küste zu transportieren. Allerdings werden Pipelines gerade gebaut. Mitte kommenden Jahres sollten sie in Betrieb gehen, damit winkt den Unternehmen ein zusätzlicher Cashflow.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2018)