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Grüne: Fünfkampf um Vassilakou-Nachfolge

Marihan Abensperg-Traun, David Ellensohn, Birgit Hebein, Benjamin Kaan und Peter Kraus (v. l.) wollen Maria Vassilakou folgen. Ende November fällt die Entscheidung.
Marihan Abensperg-Traun, David Ellensohn, Birgit Hebein, Benjamin Kaan und Peter Kraus (v. l.) wollen Maria Vassilakou folgen. Ende November fällt die Entscheidung.(c) APA/ROBERT JAEGER
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Zwei Quereinsteiger und drei Etablierte steigen in den Ring um die Führung.

Wien. Seit Mittwoch ist es fix: Die Nachfolge der grünen Frontfrau, Maria Vassilakou, wird in einem Fünfkampf entschieden: Neben bekannten Gesichtern wie David Ellensohn (Klubchef), Birgit Hebein (Gemeinderätin) und Peter Kraus (Gemeinderat) haben zwei Quereinsteiger die notwendigen Unterschriften gesammelt, um auf dem Stimmzettel für die grüne Spitzenwahl aufzuscheinen.

Aus diesen fünf Kandidaten wählen die grüne Basis und Grün-Sympathisanten („registrierte Wähler“) ab 7. November per Briefwahl jene Person, die die Stadt-Grünen in die Wien-Wahl 2020 führen wird. Ende November soll dann das Ergebnis feststehen. Diese Person soll auch Maria Vassilakous Platz in der Stadtregierung bis spätestens Frühsommer 2019 einnehmen.

Wer sind die Quereinsteiger, die es auf den Stimmzettel geschafft haben? Marihan Abensperg-Traun (42) ist Medizinerin an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie im AKH. Die 1976 geborene Niederösterreicherin hat sich parteipolitisch bisher nicht engagiert, betonte aber, sich „schon immer“ mit den grünen Werten identifiziert zu haben. Ihr Programm: Mehr Fokussierung auf Umweltthemen, Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und niederschwellige medizinische Betreuungseinrichtungen in den Grätzeln. Mit der SPÖ wünscht sie sich eine Koalition auf Augenhöhe: „Es kann nicht so sein, dass wir grüne Werte verraten.“

Der Meidlinger Bezirksrat Benjamin Kaan (32) schaffte als zweiter Quereinsteiger die nötigen Unterschriften. Kaan, der 1986 in Korneuburg geboren wurde und Unternehmer in der Biolebensmittelbranche ist, begann 2013 bei den Meidlinger Grünen. Zuvor war er Mitarbeiter der damaligen EU-Abgeordneten Ulrike Lunacek. Er fordert eine Citymaut sowie Fokussierung auf Klima- und Sozialpolitik.

Neben Abensperg-Traun und Kaan präsentierten sich jene drei Personen, die die realistischsten Chanchen für die Vassilakou-Nachfolge besitzen. Klubchef David Ellensohn erklärte: Die Grünen seien eine „erfolgreiche Projektpartei“, die zum Beispiel die 365-Euro-Jahreskarte umgesetzt habe. Allerdings sei ihnen der Charakter der „Protestpartei etwas abhandengekommen“, die sich gegen Immobilienhaie und Glücksspielkonzerne wie Novomatic wehrt. Als grüner Spitzenkandidat will Ellensohn hier nachschärfen und den Kampf gegen die türkis-blaue Bundesregierung verschärfen: „Die Auseinandersetzung ist härter geworden, und wir werden sie führen. Radikal. Wir sind die Grünen.“

Sozialsprecherin Hebein will die Grünen „wieder zu Verbündeten der Zivilgesellschaft“ machen. Falls sie die Führung der Grünen übernimmt, will sie dort das Thema Ökologie und die soziale Frage wieder ins Zentrum stellen. Denn beides sei untrennbar miteinander verbunden, so Hebein, die gleichzeitig zur Teilnahme an der heutigen Demonstration gegen die Bundesregierung aufrief.

Neben Ellensohn werden Vassilakous ehemaligem Vize-Büroleiter Peter Kraus die größten Chancen eingeräumt. Er kündigte an, als grüner Spitzenkandidat die Themen leistbares Wohnen und die Schere zwischen Arm und Reich in den Fokus zu rücken. Vassilakous Ressort würde er im Fall eines Sieges in ein „echtes Klimaschutzressort umbauen“, kündigte er an: „In Wien soll es keine Straße mehr ohne Baum geben, ich will auch hinaus aus Öl und Gas.“ Dazu will er die Performance von Rot-Grün verbessern: „Wenn Rot-Grün als attraktives Gegenmodell zu Türkis-Blau positioniert werden soll, müssen wir besser werden als in den vergangenen zweieinhalb Jahren.“ Deshalb werde es unter ihm keine Kürzung bei der Wiener Mindestsicherung geben, so Kraus. (stu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2018)

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