Es war einmal ein Literaturnobelpreis: 10 Autoren aus 118 Jahren

Elfriede Jelinek 24 fevrier 2003 AUFNAHMEDATUM GESCH�TZT PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY Copy
Elfriede Jelinek(c) imago/Leemage (imago stock&people)

Heute werden gleich zwei Literaturnobelpreise verliehen, nach Skandalen und internen Querelen fiel er im vergangen Jahr nämlich aus. „Die Presse“ erinnert an ein paar erstaunliche Preisträger von einst.

Die Vielgeschmähte

2004. Das Buch zur #MeToo-Debatte ist drei Jahrzehnte alt und stammt von Elfriede Jelinek: „Lust“, ein Roman, der nach den Regeln eines Pornos in endlosen Varianten und immer neuen Bildern den Geschlechtsverkehr schildert– mit kalter Wut und unfassbar erfindungsreich. Es war nicht der erste Roman, mit dem Jelinek polarisierte, nicht der letzte. „Pornografin“, „Nestbeschmutzerin“, „Staatskünstlerin“ – katholische Kreise und die FPÖ attackierten die Autorin oft frontal. „Lieben Sie Scholten, Jelinek, Häupl, Peymann, Pasterk? Oder Kunst und Kultur?“, fragte die FPÖ. Als Jelinek den Nobelpreis erhielt – und mit ihr eine jahrhundertealte österreichische Tradition des Sprachspiels und der Sprachkritik–, reagierte die FPÖ verschnupft („zieht Österreich seit Jahren in den Dreck“). Die Katholische Aktion schrieb („mit christlichen Ambitionen vergleichbar“) eine liebevolle und kundige Würdigung.