Wimperntusche: Wie viel Mascara braucht der Markt?

(c) Illustration: Nina Ober

Wimperntusche ist wie Blue Jeans: Sie ist immer in Mode. Die Zuneigung zur schwarzen Tusche, die stets für tolles Aussehen sorgt, ist ungebrochen. Aber wie viel Mascara braucht der Markt?

Das Ergebnis einer schnellen, nicht repräsentativen Umfrage im Freundes- und Kolleginnenkreis: Wer einmal seine Wimperntusche gefunden hat, bleibt ihr ewig treu. Das wirft, logischerweise, eine Frage auf: Brauchen wir wirklich immer noch neue Mascaras? „Natürlich!", antwortet Jane Richardson, künstlerische Leiterin für Make-up bei der Kosmetikmarke Nars, ohne mit der Wimper zu zucken.

Die Beautyexpertin stellte soeben die französische Kultbrand in Österreich vor, wo sie erstmals ab Mitte Oktober erhältlich sein wird. „Frauen haben eine derart starke Liebesbeziehung zu Mascara, dass es schade wäre, wenn der Markt limitiert werden würde", sagt Richardson. Für die Britin gehört die Wimperntusche sogar zu den drei Dingen, die sie auf eine einsame Insel mitnehmen würde (denn: „Erst sie bringt Balance ins Gesicht."). Den Einwand, dass sich unter den 720 Stammprodukten von Nars nur zwei Tuschen befinden (darunter ein Verkaufsschlager mit dem verheißungsvollen Namen „Climax"), tut Richardson mit einer lässigen Handbewegung ab: „Das ist ja erst der Anfang."

Königsklasse

Tatsächlich handelt es sich bei der Entwicklung einer neuen Wimperntusche gewissermaßen um die Champions League der dekorativen Kosmetik. Einige der neuen großen Marken wie Fenty Beauty von Rihanna oder Kylie Cosmetics von Kylie Jenner scheuten zunächst die hohen Entwicklungskosten und traten ohne Wimperntusche an. Ihre eigenen Mascaras lancierten sie erst, nachdem sie schon am Markt Fuß gefasst hatten.

Insofern mag man sich verwundert die Augen reiben, schaut man sich die Neuerscheinungen dieses Herbstes an: Momentan jagt eine Innovation die nächste. L’Oréal Paris kreierte etwa eine „Unlimited Mascara", die durch einen knickbaren Bürstenhals – erst wird klassisch im geradem Zustand getuscht, dann gebogen – auch feine Wimpernhärchen im Augenwinkel erreichen soll. Der aktuellste Entwurf von Yves Saint Laurent will hingegen die leidige Wimpernzange in den Ruhestand schicken: Die ergonomisch ausgefeilte Hightech-Bürste der „Mascara Volume Effet Faux Cils – The Curler" verfügt über zwei verschiedene Borstenlängen, die mit der einen Seite Tusche verteilen und mit der anderen ordentlich Schwung verleihen soll. Gepflegt und aufgebaut werden die Härchen dabei mit einer Formulierung aus Kokosnussöl, Walnussblättern und Bambusöl.

In die Verlängerung

Eine wasserfeste Konsistenz, die sich mühelos wieder entfernen lässt und die Wimpern nicht brüchig macht? Das hört sich an wie die Quadratur des Kreises. Die Forscher von Kanebo Cosmetics brachten das Wunder aber schon vor mehr als 20 Jahren mit der Wimperntusche „Sensai 38°C" auf den Markt. Ein wärmeempfindliches Harz hält hier jeglicher Feuchtigkeit und Augenauswischerei stand und löst sich erst, wenn die Wimpern mit mindestens 38 °C warmem Wasser gereinigt werden. Laut Firmenangaben verkauft sich die Wimperntusche pro Tag 1800 Mal, trotzdem geht Sensai jetzt in die Verlängerung. Die weiterentwickelte „Lash Volumiser 38°C" soll für XXL-Volumen sorgen; dazu legt jenes seidige Puder, das Sensai auch für seine Foundations benutzt, einen schönen Schimmer auf den Wimpernkranz. Für ganz besonders empfindliche Augen hat La Roche-Posay die „Respectissime Mascara Multi Dimensions" entwickelt. Sie ist mit einem aktivierenden Pflegeserum angereichert, das die Wimpern bei jedem Auftragen stärken und pflegen soll. Gereinigte Mineralpigmente und eine ultrasanfte Präzisionsbürste verhindern Rötungen oder tränende Augen.

„Squeeze-Effekt" nennt es indessen Dior, wenn man kräftig auf die Tube der neuen „Pump ’n’ Volume Mascara" drückt. Deren Tuschhülse ist im Gegensatz zu jenen der Mitbewerber aus geschmeidigem Elastomer hergestellt und somit flexibel. Das hat nicht zu unterschätzende Vorteile. Die Tusche selbst besteht nämlich aus pflegenden Wachsen und einem elastischen Puder aus Siliziumkügelchen. Wird Druck auf dieses sogenannte Bouncy Powder ausgeübt, verformt es sich und macht die Creme schön üppig. Man darf sich laut Dior über „spektakuläres Volumen" und einen „Show-off-Blick" freuen.

Fülle und Leichtigkeit

Ein echter Hingucker ist auch die limitierte Herbstkollektion des Clarins-Klassikers „Mascara Supra Volumen". Sie wurde mit Miniatur-Wimperntuschenbürstchen versehen und ist nicht nur hübsch, sondern macht es die Benutzerin auch dank einer Formel mit Panthenol und Cassia-Blütenwachs.

 „Erlebe Wimpern, die süchtig machen!", verspricht dagegen Maybelline New York. Die „Total Temptation Mascara" soll volle und zugleich federleichte Wimpern zaubern. Eine mit Kokosöl angereicherte Pflegeformel lässt dabei die Intensität von mau bis wow regulieren, je nachdem, wie viele Schichten aufgetragen werden. Nicht weniger spektakulär erscheint die „Imperial Lash MascarInk" von Shiseido, die die Wimpern mit einem glanzvollen Finish überzieht, das an die japanische Lacktechnik Shikki erinnert. „Die Reminiszenz an die kaiserliche Ära Japans macht deutlich, welche Wertigkeit dieses Produkt besitzt", schwärmt Shiseidos Global Artistic Director James Boehmer über sein neuestes Werk. Als Inspirationsquelle für das samtige Schwarz diente ihm die Sumi-Tinte, die seit Urzeiten für die japanische Kalligraphie genutzt wird.

Zurück in die Zukunft: Chanel präsentierte jüngst das erste Mascarabürstchen aus dem 3-D-Drucker. „Le Volume Révolution" soll dank des neue Druckverfahrens genau die richtige Menge an Tusche an die wabenförmige Bürste abgeben, ohne dass diese immer wieder in die Hülse getaucht werden muss. Die Spitze sowie die millimeterfeinen Borstenplatzierungen sollen außerdem für ein präzises Auftragen sorgen. Vorsichtshalber ließ sich Chanel sein Mascarabürstchen aus dem 3-D-Drucker gleich einmal patentieren. So ist es nun einmal mit Liebes­beziehungen: Man führt sie eben gern exklusiv.

Produktinfo

Im Bild oben von links nach rechts: 

„Unlimited" von L’Oréal Paris (ab 10 Euro).
„Climax" von Nars (ab 24 Euro). 
„Eye Drama" von Giorgio Armani (ab 32 Euro). „Imperial Lash" von Shiseido (ab 31 Euro). 
„Total Temptation" von Maybelline New York (ab 13 Euro). 
„Volume Effet Faux Cils The Curler" von YSL (ab 26 Euro).
„Respectissime Multi-Dimensions" von La Roche Posay (ab 20 Euro).
 „Pump ’n’ Volume" von Dior (ab 34 Euro).
„Supra Volume" von Clarins (ab 28 Euro) 
„Le Volume Révolution" von Chanel (ab 36 Euro).
„Lash Volumiser 38°C" von Sensai (ab 38 Euro).