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Filmtipps

Das Glück auf der Straße finden: Die besten Roadmovies auf Netflix, Amazon & Co.

Blödeln sich durch die Welt: Die Quälgeister in „Dumm und Dümmer“.New Line Cinema

Tempo 140 hin oder her: Die Faszination Highway kennt im Film keine Grenzen. Die „Presse“ empfiehlt fünf Roadmovies zum Streamen - vom Balkan-Fluchtabenteuer bis zum turbulenten Pendlerdrama.

Blue Moon

Von Andrea Maria Dusl, 2002
Zu sehen auf Flimmit

Eigentlich ist das Genre des Roadmovies ja eine eher amerikanische Angelegenheit: Wo sonst kann man so ungezwungen über endlose Highways brettern, mit Rockmusik im Ohr und Träumen von grenzenloser Freiheit im Kopf? Aber spätestens seit US-Fetischisten wie Wim Wenders die Wanderlust der ramblin' men in hiesige (Kino-)Gefilde transponierten, gehört der „Straßenfilm“ auch im deutschsprachigen Raum zum Leinwandrepertoire. Bei uns übersteigt allerdings die Melancholie ziellosen Umherstreichens dessen Rausch: Der Euro-Drifter ist selten fideler Genießer von Vogelfreiheit, sondern zumeist ein Rastloser auf Schnitzeljagd nach unbestimmter Herzensheimat. So auch der Geldbote „Johnny“ Pichler (Josef Hader), Hauptfigur von Andrea Maria Dusls bislang einzigem Langspielfilm „Blue Moon“. Gleich in der ersten Szene stürzt er sich ohne besonderen Grund ins Fluchtabenteuer an der Seite eines blonden Callgirls (Wiktorija Malektorowytsch), die Reise geht quer durch den Balkan. Es ist aber mehr ein Holpern und Stolpern als ein richtiger Trip, die beiden verlieren sich aus den Augen, verschwinden und tauchen wieder auf wie Kugeln im Flipperautomaten, getrieben von einem Anderswo, das es womöglich gar nicht gibt.

 

Wilde Erdbeeren

Von Ingmar Bergmann, 1957
Zu sehen auf Amazon

Wer bei Ingmar Bergmann an erstickende Kammerspiele im Geiste von Ibsen und Tschechow denkt, in denen sich schwermütige Seelen in muffigen Wohnkerkern ewiglich um ihre eigenen Komplexe drehen, hat nicht ganz unrecht, vergisst aber, dass „Das siebente Siegel“ und „Wilde Erdbeeren“, die bekanntesten Klassiker des schwedischen Kinogiganten, im Grunde Roadmovies sind. Letzterer handelt von einem Medizinprofessor (gespielt von Bergmans Regie-Vorbild Victor Sjöström), der im Traum schon den Tod nahen spürt und sich mit dem Auto von Stockholm nach Lund aufmacht, seiner Vergangenheit auf der Spur. Unterwegs gibt sich das Leben noch einmal die Ehre – und bleibt doch unwiederbringlich.

 

Dumm und Dümmer

Von Peter und Bobby Farrelly, 1994
Zu sehen auf Sky

Lloyd (Jim Carrey) und Harry (Jeff Daniels) sind „Dumm und Dümmer“. Das hält sie aber nicht davon ab, in ihrem Van, der aussieht wie ein überdimensionierter Straßenköter, der Liebe und anderen Begehrlichkeiten hinterherzufahren. Dabei lassen sie sich von nichts und niemandem unterkriegen – jeder noch so bedrohliche Widersacher wird von den herzensguten Quälgeistern mit endlosem Optimismus und Lawinen juveniler Albernheiten in Grund und Boden genervt. Das Regie-Duo der Farrelly-Brüder liefert hier seinen vielleicht unterhaltsamsten Film: Eine humanistische Hommage an Blödel-Großtaten der Hollywood-Frühzeit – und ein Roadmovie für Menschen, die beim Stadtnamen „Aspen“ zu kichern beginnen.

 

Locke

Von Steven Knight, 2013
Zu sehen auf Amazon

Die Hauptfiguren von Roadmovies bleiben so gut wie nie ununterbrochen im Auto. In der Regel steigen sie wiederholt aus, um das Klima ihrer Reisestationen zu erkunden. Nicht so der Titelheld von Steven Knights ungewöhnlichem Echtzeitdrama „Locke“: Ein Bauleiter, der zur Geburt seines unehelichen Kindes unterwegs ist, während ihn die Familie zum Fußballabend erwartet und ständig neue Arbeitsprobleme aus dem Handyhörer strömen. Die Dauer einer Pendlerfahrt und ein toller Schauspieler (Tom Hardy) reichen hier für einen zufriedenstellenden Spannungsbogen. Schade nur: Die Anspielung auf den britischen Vertragstheoretiker John Locke geht beim deutschen Verleihtitel „No Turning Back“ verloren.

 

Smokey and the Bandit

Von Hal Needham, 1977
Zu sehen auf Amazon und Netflix

Die im September verstorbene US-Schauspiellegende Burt Reynolds verdankt ihren Kultstatus einer Reihe von Draufgänger-Rollen aus den Siebzigern – allen voran die des „ausgekochten Schlitzohrs“ Bo „Bandit“ Darville in Hal Needhams „Smokey and the Bandit“. Als Trucker-Ikone bezeichnet, fährt Bo den ganzen Film über keinen Truck. Dafür aber einen schwarzen Pontiac Trans-Am auf fröhlicher Bierschmuggeltour durch die Südstaaten, mit der ultimativen Karikatur eines cholerischen Sheriffs (unpackbar: Jackie Gleason) im Windschatten. Der sympathische Schwerenöter düst mit rotem Hemd, Cowboy-Hut und bezauberndem Schnauzer ins Herz der Zuschauer – und erobert nebenher auch das einer quirligen Ex-Braut (Sally Field). Vornehmlich geht's hier um unbeschwertes Gaudium auf der Autobahn und schmähselige Macho-Romantik – serviert mit einer kindischen Energie, die entwaffnet: Eine Pop-Antithese zu existenzialistischen Seventies-Roadmovies wie „Fluchtpunkt San Francisco“. Jerry Reeds beschwingtes Country-Leitlied „East Bound and Down“ gibt dabei Takt und Lebenshaltung vor: „East bound and down, loaded up and truckin' / We're gonna do what they say can't be done.“

 

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