Schnellauswahl

Auf der Suche nach einem Ersatzkandidaten

Andreas Schieder muss seine Funktion als geschäftsführender Klubchef der SPÖ abgeben. Diese wird nun nämlich Parteichefin Pamela Rendi-Wagner übernehmen. Schieder könnte Spitzenkandidat für die EU-Wahl 2019 werden.
Andreas Schieder muss seine Funktion als geschäftsführender Klubchef der SPÖ abgeben. Diese wird nun nämlich Parteichefin Pamela Rendi-Wagner übernehmen. Schieder könnte Spitzenkandidat für die EU-Wahl 2019 werden.(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Andreas Schieder hat gute Chancen, SPÖ-Spitzenkandidat für die EU-Wahl zu werden.

Schlussendlich hat Christian Kern doch recht behalten. Es sei, wie er im ORF-„Sommergespräch“ sagte, „totaler Mumpitz“, dass er bei der EU-Wahl als Kandidat antrete. Nun ist es das – nach einigen Meinungsschwenks – tatsächlich. Christian Kern wird weder die europäischen noch die österreichischen Sozialdemokraten in die EU-Wahl am 26. Mai 2019 führen.

Die SPÖ muss einen neuen Spitzenkandidaten finden. Denn Christian Kern entledigte sich dieser Funktion genauso schnell, wie er sich selbst in diese hievte. Darüber dürften nicht alle in der Partei traurig sein. Der Unmut über Kerns Vorgehen wollte nicht versiegen, und so wurde schon über mögliche Ersatzkandidaten spekuliert. Am gestrigen Samstag machte ein Name schnell die Runde: Andreas Schieder.

Er musste seinen bisherigen Klubobmannsposten in den vergangenen Tagen quasi erzwungenermaßen „freiwillig“ zurücklegen. Die neue Parteichefin, Pamela Rendi-Wagner, beanspruchte die Funktion nämlich für sich selbst (und handelte sich damit den Unmut der Wiener SPÖ ein). Bereits am Montag wird Rendi-Wagner bei einer außertourlichen Fraktionssitzung zur Klubobfrau gewählt werden.

Präsidium tagt heute. Schon heute, Sonntag, könnte Schieder dafür mit der Aussicht auf die EU-Spitzenkandidatur entschädigt werden. Bereits am Vormittag trifft sich nämlich das SPÖ-Präsidium am Wiener Kahlenberg. Dort wollte man ohnehin nicht nur über den neuen Parteitag am 24. November, sondern auch über die EU-Wahl sprechen.

Die Zeichen für Schieder, der schon zuvor Interesse an einem Wechsel nach Brüssel bekundet hatte, scheinen nicht schlecht zu stehen. Er hat nun (obwohl er als Bürgermeisterkandidat scheiterte) die Wiener SPÖ hinter sich. Und nicht nur die. Niederösterreichs SPÖ-Chef, Franz Schnabl, sprach am Samstag bereits von einer „hervorragenden Persönlichkeit“. Schieder sei gut vernetzt und habe alle notwendigen Attribute.

Ganz ähnlich klang das in Vorarlberg. Aufgrund seiner „europa- und außenpolitischen Kompetenz“ sei Schieder „sehr, sehr gut vorstellbar“, sagte SPÖ-Chef Martin Staudinger. „Jede Kompetenz“ gestand ihm auch Tirols SPÖ-Chefin, Elisabeth Blanik, zu. Eine allzu schnelle Entscheidung – etwa bereits am heutigen Sonntag – hält sie nicht für notwendig.

Der Ersatzkandidat muss jedenfalls vor dem Parteitag am 24. November gefunden werden. Die Landeslisten, die in die Bundesliste eingearbeitet werden, stehen in einigen Ländern bereits fest. So auch in Wien. Dort hat es Schieder nur auf den zweiten Platz geschafft. Listenerste ist Delegationsleiterin Evelyn Regner.

 

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2018)