„Im Zentrum“: Haiders Erbe und hinkende Vergleiche auf ORF 2

Sie blieben nicht immer bei der Sache: Die Diskutenten bei Claudia Reiterer, v.l.n.r.: Böhmdorfer, Strache, Cap, Rossmann und Petzner.(c) Screenshot

TV-Notiz Der Einspieler zu Jörg Haider sorgte am Sonntag für Unmut bei Ex-Minister Böhmdorfer und Vizekanzler Strache. Autorin Rossmann brachte das Thema Tierschutz auf.

Was blieb von Jörg Haider? Dieser Frage sollte eine prominente Runde am Sonntagabend in der Diskussionssendung „Im Zentrum“ nachgehen. Dass es bei der Bewertung dieses Politikers wenig Einigkeit gab, wird kaum überraschen. Schon der zweiminütige Einspieler zu Beginn sorgte für ordentliche Diskrepanzen. "Die Einleitung, Frau Magister Reiterer, hat mir überhaupt nicht gefallen. Das ist ein typisches Beispiel einer wirklich nicht notwendigen Dimensionsverzerrung gewesen. Man kann natürlich Stationen sagen, aber nur negative, nur abträgliche, nur letztlich irreführende - das war nicht nett." So sprach Dieter Böhmdorfer, einst Justizminister unter Schwarz-Blau.

Hatte er Recht? Man sah in den zwei Minuten Archivmaterial über Jörg Haider, Bilder und Worte aus drei Jahrzehnten: Das Unfall-Auto, die Parteispaltung, seine zwei wohl am heftigsten kritisierten Aussagen ("ordentliche Beschäftigungspolitik im dritten Reich" und die österreichische Nation als "Missgeburt"), seinen Antritt als Landeshauptmann sowie seinen Rücktritt zwei Jahre später. Man sah Haiders Taferl bei einer TV-Diskussion und einen verdatterten Franz Vranitzky, Freude über 27 Prozent bei der Nationalratswahl, hörte seine Worte an Vizekanzlerin Rieß-Passer, dann kam der Parteibruch, die Gründung des BZÖ.

Es waren einige Stationen, doch besonders negative? Man könnte allenfalls das Fehlen von Haiders Inhalten - wie Kritik am „System Rot-Schwarz“ - monieren. Auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache ergriff die Gelegenheit zur Kritik am ORF. Man könne „schon trefflich darüber streiten, inwieweit das jetzt die Persönlichkeit Jörg Haider in ihrer Vielfalt widergespiegelt hat“, sagte er. Schließlich wäre der ORF „dafür da, differenziert zu gestalten“. Moderatorin Reiterer gab den Pass zurück: „Dafür sind auch Sie da, muss man sagen." Tatsächlich kam den einzelnen Teilnehmern der Diskussionsrunde aber immer wieder merklich die Lust abhanden, über Haider zu sprechen.

Kickls Pferde, Straches Tierschutz

Böhmdorfer lobte Haiders Ziel, Österreich wirklich zu verändern. Widmete seiner Verteidigung in der Causa Hypo-Alpe-Adria aber mehr Energie. Strache ging wenig auf die Spaltung ein und lobte die gegenwärtige Nachhaltigkeit der FPÖ. Autorin Eva Rossman war die vehemente Gegenseite. Josef Cap, ehemaliger Klubobmann der SPÖ, war auch da. Petzner lobte, was Haider alles geschafft habe, wollte aber differenziert erscheinen. Und schlief fast selbst bei seiner Definition von Populismus ein, ehe er in andere Themen kippte. Die anderen blieben aber noch weniger bei der Sache. Rossmann etwa machte Strache den im Kontext sehr seltsamen Vorwurf, dass er sich für Tierschutz ausspreche, aber Polizeipferde einsetze. Was zu einer breiten Tier-Diskussion führte.

Reiterer sprach übrigens die Angriffe Straches auf den ORF direkt an, in ihrer gewohnt unaufgeregten Art. Seine Antwort: "Was heißt angreifen? Sie müssen sich genauso gut Transparenz und Kritik gefallen lassen wie ich." Und: "Ich habe überhaupt kein Problem mit den Medien. Aber umgekehrt hoffe ich, haben die Medien mit mir auch kein Problem." Ein in Einwürfen geübter Josef Cap fand freilich den Punkt, an dem dieser Vergleich hinkte: "Aber Sie sind der Gesetzgeber. Sie können ein Rundfunkgesetz machen."

Bei  Claudia Reiterer diskutierten:

  • Heinz-Christian Strache, Vizekanzler und Bundesparteiobmann FPÖ
  • Josef Cap; ehem. Klubobmann SPÖ
  • Dieter Böhmdorfer, Rechtsanwalt und ehem. Justizminister
  • Stefan Petzner, PR- und Politikberater, Weggefährte Haiders
  • Eva Rossmann, Autorin und Journalistin

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