Recherche-Seite will Identität des zweiten Skripal-Attentäters enthüllt haben

"Alexander Petrov" und der zweite Verdächtige im Fall Skripal "Ruslan Boschirow".(c) REUTERS (HANDOUT)

Bei "Alexander Petrow" soll es sich in Wahrheit um einen Militärarzt des russischen Geheimdienstes GRU handeln. Die britische Polizei kommentiert den Bericht nicht.

Eine Gruppe von Investigativ-Journalisten hat nach eigenen Angaben die wahre Identität auch des zweiten mutmaßlichen Skripal-Attentäters enthüllt. Das teilte die Recherche-Webseite Bellingcat am Montag mit.

Demnach soll es sich bei dem Verdächtigen, der unter dem Namen Alexander Petrow nach Großbritannien eingereist war, in Wahrheit um Alexander Jewgeniwitsch Mischkin handeln, einen Militärarzt des russischen Geheimdiensts GRU. Die Polizei in London wollte den Bericht nicht kommentieren, wie ein Sprecher am Abend mitteilte. Auch Mischkin soll nach Angaben von Investigativ-Journalisten einen Ehrentitel des russischen Präsidenten Wladimir Putin erhalten haben. Laut Bellingcat wurde der Mann bereits 2014 von Putin ausgezeichnet.

Ausgewertet haben die Journalisten unter anderem Angaben von Bekannten des Verdächtigen sowie verschiedene Ausweisdokumente. Den anderen mutmaßlichen Gift-Attentäter hatte Bellingcat Ende September als einen hochdekorierten russischen Offizier namens Anatoli Tschepiga identifiziert.

Verdächtige beteuern, als Touristen in London gewesen zu sein

Dem Bericht zufolge wurde Mischkin auf einer Elite-Militärakademie zum Arzt ausgebildet. Während des Studiums sei er vom Geheimdienst angeworben worden. 2010 sei er unter dem Decknamen Alexander Petrow nach Moskau gezogen.

Die britischen Ermittler werfen dem Duo vor, unter ihren Decknamen nach Salisbury gereist zu sein und den Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergei Skripal und seine Tochter Julia verübt zu haben. Die beiden hatten im russischen Fernsehen erzählt, sie seien als Touristen nach Großbritannien gereist.

Vater und Tochter Skripal waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie mussten wochenlang intensiv behandelt werden und entkamen nur knapp dem Tod. London macht den Kreml für das Attentat verantwortlich. Moskau bestreitet die Vorwürfe. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus.