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Trumps UN-Botschafterin Nikki Haley tritt zurück

Nikki Haley mit US-Präsident Donald Trump bei der gemeinsamen Bekanntgabe von Haleys Rückzug.
Nikki Haley mit US-Präsident Donald Trump bei der gemeinsamen Bekanntgabe von Haleys Rückzug.REUTERS

Haley wird Ende des Jahres ihr Amt abgeben. Sie wolle nun etwas Neues beginnen. Eine Präsidentschaftskandidatur 2020 schloss sie aus. Als mögliche Nachfolgerin wird auch Ivanka Trump genannt.

Eine weitere Überraschung im Kabinett von US-Präsident Donald Trump. UN-Botschafterin Nikki Haley tritt mit Jahresende zurück. Doch dieses Mal war es keine Trennung im Streit und gerade deshalb eine Überraschung. Keine getrennten Statements und Twitter-Schlachten, kein zerschlagenes Porzellan - Trump und Haley demonstrierten Dienstagfrüh Ortszeit in Washington Harmonie. Sie traten gemeinsam vor die Presse, lobten einander ausführlich und betonten die gute Zusammenarbeit.

Trump hatte über den Kurzbotschaftendienst Twitter zuerst mitgeteilt, dass er "mit meiner Freundin, Botschafterin Nikki Haley, eine große Ankündigung machen" werde und bestätigte nach dem Treffen den Rücktritt Haleys mit Jahresende. Sie habe einen "unglaublichen Job" gemacht. Um 17 Uhr mitteleuropäischer Zeit traten die beiden schließlich gemeinsam vor die Presse, um den überraschenden Rücktritt zu begründen.

Sie habe einen "fantastischen Job" gemacht, so Trump. Es sei eine intensive Zeit gewesen und Haley habe ihm schon vor sechs Monaten gesagt, dass sie vielleicht Ende des Jahres einen Schritt zurück machen wolle. "Wir haben einen fantastischen Job gemeinsam gemacht", holte Trump zu einem Loblied auf seine Außenpolitik an. Zu Beginn sei Nordkorea ein "massives Problem" gewesen und nun gebe es Fortschritte. Mit Haley bleibe er weiterhin in Kontakt. Sie konnte die Weltmächte kennenlernen und diese hätten sie gemocht und respektiert - "mit einigen Ausnahmen".

Haley dankte Trump für das Amt, es sei die "Ehre ihres Lebens" gewesen. "Schauen Sie sich diese zwei Jahre an", die USA seien nur respektiert. Auch wenn manche Länder mit den US-Positionen nicht einverstanden seien, sie wüssten, dass die USA konsequent daran festhalten würden. Nordkorea, der Ausstieg aus dem Iran-Deal, die Botschafts-Verlegung in Isreal - Haley nannte mehrere Eckpunkte ihrer Amtszeit. Sie habe sich noch nicht entschieden, wie es nun beruflich weitergehe. Man müsse selbstlos genug sein, um zu wissen, wann man beiseite tritt und anderen den Job zu überlassen. Und sie werde 2020 für das Präsidentenamt kandidieren, wenn, dann an der Seite bzw. im Team von Trump. "So good" war die vom Präsidenten so oft verwendete Reaktion.

Laut BBC soll er Haley eingeladen haben, jederzeit wieder Teil des Kabinetts zu werden - auch in anderer Position. "Sie können aussuchen", soll Trump zu Haley gesagt haben.

Obwohl Haley nicht von Anfang an in Trumps engstem Team war, war sie eine loyale Mitarbeiterin, die auch Zugang zu ihm hatte, ihm auch widersprechen durfte. Auch führende Mitarbeiter von Haleys Stab sollen erst Dienstagmorgen von ihren Plänen erfahren haben. Sie soll laut CNN gesagt haben, dass sie "ihre Arbeit erledigt" hätte und dass es Zeit sei, "weiterzuziehen" ("time to move on").

Ivanka Trump als Nachfolgerin?

Auch Nachfolge-Diskussionen sind bereits in vollem Gange. Als mögliche Kandidaten für das Amt gilt auch Trumps Tochter Ivanka Trump, aber auch Dina Powell, die derzeit Trumps Beraterin für ökonomische Initiativen ist und seit März 2017 zusätzlich stellvertretende Nationale Sicherheitsberaterin für Strategie ist. Haley fand in ihrem Statement mit dem Präsidenten am Dienstag ausdrücklich lobende Worte für Ivanka Trump und ihren Ehemann Jared Kushner, der ein "Genie" sei. Auch für First Lady Melania gab es ungewöhnlich deutliches Lob.

Präsident Trump wollte zu möglichen Nachfolgern keine Stellungnahme abgeben. "Viele Leute würden das machen wollen, sehr gute Leute", sagte Trump ohne konkret zu werden. Er wisse genauso viel, wie alle anderen in der Nachfolgefrage - "nichts". Das Amt sei dank Haley jedenfalls aufgewertet werden. Er wolle vielleicht in den nächsten zwei bis drei Wochen einen Nachfolger verkünden, "vielleicht schon früher".

Erst spät ins Trump-Team

Haley wurde als Tochter von indischen Einwanderern, die der Religionsgemeinschaft der Sikh angehören, in South Carolina geboren. Sie konvertierte später zum Christentum. Bevor sie im Jahr 2010 erstmals zur Gouverneurin gewählt wurde, war sie Abgeordnete im Regionalparlament ihres Bundesstaats.

Im Wahlkampf hatte sich die ehemalige Gouverneurin von der aggressiven Rhetorik des Immobilienmilliardärs Trump distanziert. Noch kurz vor der Wahl hatte sie gesagt, dass sie "kein Fan" von Trump sei. Während der Vorwahlen der Republikaner unterstützte Haley zunächst Trumps Rivalen Marco Rubio. Dennoch kündigte sie im Oktober an, den rechtspopulistischen Politikneuling zu wählen. Während ihrer mehr als eineinhalbjährigen Amtszeit sagte sie oft deutlich ihre Meinung, lag öffentlich jedoch selten in Konflikt mit Trump.

Obwohl Haley kaum außenpolitische Erfahrung hat, war sie von den US-Medien auch als mögliche Außenministerin gehandelt worden. Sie profilierte sich aber schnell als wortgewaltige Fürsprecherin einer harten Linie in der US-Außenpolitik - gegenüber dem Iran, aber auch gegenüber Nordkorea, mit dem Präsident Trump derzeit die Annäherung sucht. Die junge Ex-Gouverneurin gehört der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung innerhalb der Republikanischen Partei an, kann aber nur in begrenztem Umfang als Hardlinerin eingestuft werden.

(klepa/Ag.)