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Grün-Hearing um Vassilakou-Nachfolge: "Habt euch alle lieb, das wird nicht klappen"

Wollen die Wiener Grünen in die Wahl führen: Benjamin Kaan, David Ellensohn, Marihan Abensperg-Traun, Birgit Hebein und Peter Kraus.
Wollen die Wiener Grünen in die Wahl führen: Benjamin Kaan, David Ellensohn, Marihan Abensperg-Traun, Birgit Hebein und Peter Kraus.APA/GEORG HOCHMUTH
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Wiens Bürgermeister Michael Ludwig kann nach der Diskussion des Quintetts im Rennen um die grüne Spitze gut schlafen. Sein Koalitionspartner macht keine Anstalten, Rot-Grün zu sprengen. Im Gegenteil.

Es existiert doch noch, das Thema, das bei den Wiener Grünen alle Sprünge zumindest an der Oberfläche kittet, und derer gibt es so manche: Der Kampf gegen Türkis-Blau im Bund, pardon Schwarz-Blau wie die Koalition im ersten Hearing der fünf Kandidaten durchgängig bezeichnet wird (man wird schon wissen warum). Inhaltlich am radikalsten äußert sich da Sozialsprecherin Birgit Hebein im Odeon, im großen Saal der früheren Getreidebörse, vor ungefähr 300 Mitgliedern und Sympathisanten am Dienstag Abend in einer - eher untypisch für Grüne - straffen, professionellen, fast braven Veranstaltung: "Wir sind Teil einer neuen, linken Bewegung auf der Straße, weil es um unsere Demokratie geht."

Attacke auf Türkis-Blau

Eine ähnliche Pose nimmt der sehr routiniert und selbstbewusst auftretende Klubchef David Ellensohn ein. "Diese Bundesregierung haut alles zusammen, was uns etwas wert ist. Wir müssen uns mit denen anlegen, die sich mit uns anlegen." Und wenig später, als es ihm dann hinter den anderen Stehpulten neben ihm vielleicht zu harmonisch zu werden droht: "Habt euch alle lieb, das alleine wird nicht klappen." Man müsse kämpfen - und beispielsweise jetzt beim Koalitionspartner SPÖ in Wien finanzielle Unterstützung für jene Frauenvereine herausverhandeln, die durch Kürzungen der Bundesregierung in der Existenz gefährdet seien.

Insgesamt sind die Grünen - nicht nur in Wien, was Zuhörer Werner Kogler wohl ähnlich sieht - aber noch auf der Suche nach einer attraktiven "grünen Erzählung", wie das Peter Kraus zwei Mal formuliert. Er gilt als politischer Ziehsohn von Noch-Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou - und empfiehlt nach einer Bayern-Reise dort Maß zu nehmen. Die Grünen liegen laut Umfragen bei 18 Prozent.

Überraschung beim Integrationsthema

Beim Thema Nummer eins in der Bevölkerung, der Integration, schwächeln alle Kandidaten. Auffällig, dass es Bezirksrat Benjamin Kaan vor diesem Publikum und im Kampf um diesen Posten wagt, in diesem Zusammenhang auch von Pflichten zu sprechen, die einzufordern seien. "Integrationspolitik ist ein Fördern und Fordern." Grundwerte gelte es nicht nur gegen Rechts zu verteidigen, sondern in alle Richtungen.

Am unauffälligsten gestalten sich die Debattenbeiträge der AKH-Psychiaterin Marihan Abensperg-Traun. Obwohl sie an einer Stelle vielleicht den meisten Applaus erhält: "Warum haben wir kein Pfand auf Plastikflaschen?"

Fazit: Andere Parteien mögen über Partizipation philosophieren, die Wiener Grünen praktizieren sie - mit ungewissem Ausgang. Wirklich fit für den politischen Alltag in der ersten Reihe mit Potenzial, die Grünen nicht ins Sektiererische/Bedeutungslose absacken zu lassen, erscheinen nach diesem ersten Hearing lediglich die arrivierten Mandatare Ellensohn und Kraus.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) kann nach der Diskussion des Quintetts im Rennen um die grüne Spitze gut schlafen. Sein Koalitionspartner macht keine Anstalten, Rot-Grün zu sprengen. Und ein großer Charismatiker, der ihm gefährlich werden könnte, ist zumindest bei den Grünen derzeit nicht in Sicht.