Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Dieselbetrug kostet Audi 11.556 nackte Q7

Weißgewaschen ist Audi mit der Bußgeldzahlung nur auf Firmenebene. Strafermittlungen gegen Manager, darunter gegen Ex-Chef Stadler, laufen weiter.
Weißgewaschen ist Audi mit der Bußgeldzahlung nur auf Firmenebene. Strafermittlungen gegen Manager, darunter gegen Ex-Chef Stadler, laufen weiter.(c) REUTERS (KAI PFAFFENBACH)
  • Drucken

Mit der Bußgeldzahlung von 800 Millionen Euro ist der Abgasbetrug für Audi in Deutschland erledigt. VW-Konzernchef Diess kritisiert einen „Feldzug“ gegen das Auto.

Ingolstadt/Wolfsburg/Wien. Der deutsche Staat kann sich heuer über ordentliche Mehreinnahmen freuen: Im Juni dieses Jahres erklärte sich VW bereit, wegen des Dieselabgasbetrugs ein Bußgeld von einer Milliarde Euro zu bezahlen. Am gestrigen Dienstag wurde die Strafzahlung für Audi bekannt: Das VW-Tochterunternehmen muss 800 Millionen Euro an die Münchner Staatsanwaltschaft wegen Verletzung der Aufsichtspflicht überweisen. Umgerechnet in Fahrzeuge entspricht das dem Wert von 11.556 Audi Q7 (Startpreis in Österreich: 69.230 Euro).

Damit ist die Dieselaffäre für den Volkswagen-Konzern in Deutschland zumindest auf Firmenebene erledigt. Andere Ermittlungen laufen weiter, darunter gegen Ex-Audi-Chef Rupert Stadler und gegen den einstigen Konzernvorsitzenden, Martin Winterkorn. Ebenso die privatrechtlichen Verfahren von VW-Besitzern, die sich geschädigt fühlen, und von Anlegern, die dem Konzern verspätete Information werden.

Beim Bußgeldverfahren gegen Audi ging es um V6- und V8-Dieselmotoren aus den Jahren von 2004 bis 2018. Sie kamen auch in anderen Fahrzeugen des Konzerns zum Einsatz, etwa bei Porsche. Zudem warf die Staatsanwaltschaft Audi vor, nicht erkannt zu haben, dass in zwei von Volkswagen entwickelten Dieselmotoren Software verbaut war, die den Schadstoffausstoß auf dem Prüfstand drosselte. Mit der Geldstrafe schöpft die Justiz nach eigenen Angaben vor allem wirtschaftliche Vorteile ab, die der Autobauer aus seinem pflichtwidrigen Verhalten gezogen hat. Bei Volkswagen machte diese Abschöpfung 995 Millionen Euro aus, die Buße betrug fünf Millionen Euro – das erlaubte Höchstmaß.

Das Audi-Bußgeld dürfte an den Staat Bayern gehen, wo es am Dienstag bereits für politische Diskussionen sorgte. Aus Sicht der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) sollten die 800 Mio. Euro betroffenen Autobesitzern zugute kommen. Wie auch die FDP forderte die VZBV, dass das Geld zur Hardware-Nachrüstung der Dieselfahrzeuge verwendet werden solle.

 

Diess spricht von Existenzbedrohung

Bereits vor Bekanntgabe der Millionenstrafe beklagte sich Volkswagen-Chef Herbert Diess über das Agieren der Politik. Bei der Internationalen Zulieferbörse am Montag abend in Wolfsburg sprach der Volkswagen-Konzernchef von einem „Feldzug gegen die individuelle Mobilität und damit gegen das Auto“, der bereits „existenzbedrohende Ausmaße“annehme. Diess: „Aus heutiger Sicht stehen die Chancen vielleicht bei 50:50, dass die deutsche Automobilindustrie in zehn Jahren noch zur Weltspitze gehört.“

Er beklagte etwa unter anderem das neue Abgastestverfahren WLTP, das die Industrie „an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit“ bringe. Um die geplanten strengeren CO2-Vorgaben zu erfüllen, müssten bis 2030 entweder ein Drittel oder die Hälfte aller Autos rein elektrisch fahren. Das sei nur schwer zu bewerkstelligen. Vor allem würde das bedeuten, dass die Autos mit Braunkohle fahren. Denn der Strommix in Deutschland inkludiere einen hohen Anteil an Kohlestrom.

VW-Chef Diess wies auf die Entwicklung der Autoindustrie in den USA hin und warnte vor Ruinen wie in Detroit (US-Bundesstaat Michigan), wo früher die drei großen US-Hersteller – General Motors, Ford, Chrysler – Fabriken betrieben. „Ich möchte, dass Wolfsburg und Ingolstadt, Stuttgart und München auch in zehn, 15 und 20 Jahren noch lebendige Industriezentren sind. Aber dafür werden enorme Anstrengungen von Nöten sein.“ (rie/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2018)