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Speicher, Netz, Wolken: Wohnen à la Daten

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Die kollektiven Gehirne unserer Zeit sind in Serverfarmen gelagert. Dort werden Milliarden von Daten gespeichert. Der größte Data Center-Betreiber in Österreich ist Interxion.

Wer nicht eingeladen ist, hat es schwer bei Interxion, dem größten Rechenzentrumsbetreiber in Österreich, einzutreten. Hohe Mauern und Gitter, eine Besucherschleuse mit dickem Glas und Männer mit Schusswaffen sorgen dafür, dass die unzähligen Hochleistungsrechner, die in schmucklosen Zweckbauten stehen, gut geschützt sind. Denn hier sind die Hochleistungsrechner, wo Kunden ihre gesamten Daten speichern. Zu diesen gehören Telekom- und Internetfirmen, Großkonzerne aber auch kleine und mittelständische Unternehmen sowie natürlich Anbieter von Cloud Services.

Trend zum Auslagern
Haben früher die Unternehmen ihre eigenen Rechenzentren betrieben, geht heute der Trend dazu diese auszulagern. „Eigene Corporate Data Center sind am Aussterben, besonders in den Ballungsräumen, wo hohe Vernetzung verfügbar ist. Unternehmen wollen sich die Betreibung eines eigenen Rechenzentrums mit allen Themen, wie physikalische Sicherheit, Energieversorgung, Kältetechnik, Notstromaggregat etc. ersparen“, sagt Martin Madlo, Managing Director bei Interxion Österreich.  Denn das Betreiben eines eigenen Rechenzentrums ist teuer. Vor allem der Energiebedarf ist enorm. Das können Anbieter wie Interxion viel günstiger. Eine Mindestgröße als Kunde gibt es nicht. “Wir haben hier Unternehmen, die ein einzelnes Server Rack betreiben“, sagt Madlo. Der Vorteil sei, dass die Unternehmen hier eine große Auswahl an nationalen und internationalen Netzwerkdienstleistern haben. „Das ist gerade für mittelständische Unternehmen interessant, von denen viele weltweit vernetzt sind. Ich nenne es immer die Shopping City Süd der Netzwerkdienstleistungen“, schmunzelt Madlo.  Hier sei ein Marktplatz, wo sich Unternehmen für das jeweilige Einsatzgebiet den richtigen Partner aussuchen können, einerseits wenn es um die Datenverbindung in die Welt hinaus, oder wenn es um Cloud Services geht. Bei Interxion sind alle namhaften Cloud Service Anbieter verfügbar. „Wir haben über unser Produkt Cloud Connect die Möglichkeit, Kundennetzwerke direkt mit Microsoft, Amazon, Oracle oder IBM zu verbinden.“

Ab in die Wolke
Cloud Computing ist ein enormer Wachstumsmarkt. Einer Studie der Credit Suisse zufolge wird der Markt für Cloud-Computing bis 2020 über 200 Milliarden Dollar betragen. Allerdings sei Österreich bei der Nutzung nicht gerade ein First Mover.

In den skandinavischen Ländern sind Cloud Services längst fixer Bestandteil jeder Unternehmens-IT-Strategie. Aber langsam schwappt das auch über Deutschland nach Österreich herüber.

Martin Madlo, Managing Director bei Interxion Österreich
Martin Madlo, Managing Director bei Interxion Österreich(c) Daniel Novotny

„Die Nachfrage nach Cloud Services ist auch hier gestiegen, denn Cloud-Lösungen sind zukunftsfähig, skalierbar und die Kosten planbar“, so Madlo. Interxion hat beim Marktforscher Research in Action eine Studie beauftragt, bei der mehr als 120 IT-Entscheider in österreichischen  Unternehmen befragt wurden. Diese Analyse hat ergeben, dass sich Investitionen in die Private Cloud im eigenen Rechenzentrum bei 94 Prozent der Befragten nach spätestens vier Jahren amortisiert haben, während die Aufwände für eine Private Cloud in Colocation bei 83,4 Prozent der Fälle in weniger als zwei Jahren wieder hereingeholt werden. Fast jedes zweite Unternehmen mit ausgelagertem Rechenzentrum schafft es demnach sogar innerhalb des ersten Jahres, alle anfänglichen Aufwendungen zu decken.  Wer nicht komplett auf die Cloud setzen will, könne eine hybride Lösung wählen. Manchmal stünden Altanwendungen, die nicht migrationsfähig sind oder regulatorische Voraussetzungen im Weg. Wofür man sich letztlich entscheidet, liegt am Leistungsbedarf. Wenn es einen kontinuierlichen Leistungsbedarf gibt, ist laut Madlo ein Unternehmen aus heutiger Sicht vermutlich besser beraten, mit der eigenen Hardware in einem ausgelagerten Rechenzentrum zu agieren. Wenn es einen stark wechselnden Leistungsbedarf gibt, mache es Sinn, kurzzeitig Public Cloud Dienste zu nutzen. „Ein klassisches Beispiel wäre ein Unternehmen, das einen Webshop betreibt. Vier Wochen vor Weihnachten ist der Webshop 50 Mal stärker belastet als das restliche Jahr. Das wäre ein Paradebeispiel für die Auslagerung in die Cloud“, nennt Madlo ein Beispiel.

Enormes Wachstum
Die Datenmengen wachsen rasant und damit der Bedarf nach Rechnerflächen von Data Center-Betreibern. So hat auch Interxion am Standort in Wien seit 2014 die Rechenzentrumskapazitäten verdoppelt. Und die nächsten Ausbaupläne liegen schon vor. „Wir bauen den Standort hier am Campus um weitere 2600 Quadratmeter aus. Damit haben wir dann insgesamt knapp 10.000 Quadratmeter an reiner Rechenzentrums-Fläche zur Verfügung“, kündigt Madlo an. Wien ist nicht zuletzt ein wichtiger Informationsknoten, von dem aus auch Ost- und Südeuropa bedient wird.