Politologe Dan Hamilton glaubt, dass Washington Sanktionen gegen Saudiarabien verhängen werde.
Wien. Die Eskalation im Fall Jamal Khashoggi lasse das Schlimmste befürchten. Dies ist der Befund des US-Politologen Dan Hamilton. In einem Pressegespräch auf Einladung der US-Botschaft erklärte er: „Trumps Nahost-Strategie fällt auseinander. Es gibt keinen Plan B.“ Saudiarabien sei neben Israel der Pfeiler der Strategie der Trump-Regierung.
Sollte sich eine Verwicklung des saudischen Kronprinzen, Mohammed bin Salman, in die mutmaßliche Ermordung des Journalisten herausstellen, könne Washington nicht länger business as usual mit dem Verbündeten betreiben. Die USA müssten Sanktionen verhängen – bis hin zum Platzen des Rüstungsdeals, meint Hamilton. Treibende Kraft sei der Senat, der schon in der Ukraine-Krise und im Fall Skripal eigenständig agiert habe und Strafmaßnahmen gegen Russland verhängt und verschärft habe.
Die Iran-Politik sei im Übrigen von den Turbulenzen um Khashoggi nicht betroffen, glaubt der US-Politikwissenschaftler und Exbeamte im Außenministerium. Bemerkenswert sei jedoch, dass die EU in der Iran-Frage gemeinsame Sache mit Russland und China mache. Auf der anderen Seite würden die USA zwar die Nato stärken, aber mit Fokus auf Ost- und Mitteleuropa. Die Politik sei gegen Wladimir Putin gerichtet, sagt er.
Bei den Kongresswahlen erwartet Hamilton die Eroberung des Repräsentantenhauses durch die Demokraten, die den Druck auf den Präsidenten erhöhen werden – zumal im November Sonderermittler Robert Mueller seinen Bericht zur Russland–Affäre abschließen werde. (vier)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2018)