„Khashoggi war ein rotes Tuch“

APA/AFP/OZAN KOSE
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Interview. Die internationalen Reaktionen werden noch heftig ausfallen, sagt Terrorismusexperte Steinberg. Die Saudis wollten schon länger, dass die Stimme des Kritikers „nicht mehr ertönt“.

Die Presse: Der saudische Regimekritiker Jamal Khashoggi soll im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet worden sein. Der Fall schlägt natürlich hohe Wellen: Was bedeutet es für die Gemengelage in der Region?
Guido Steinberg: Der Fall hat das Potenzial, die türkisch-saudischen Beziehungen zu beschädigen. Die Türkei möchte das aber nicht, was man an der Reaktion des Präsidenten Erdoğan ablesen kann. Er ist vorsichtig. Aber ich gehe davon aus, dass die türkischen Sicherheitsbehörden genau wissen, was geschehen ist. Gleichzeitig gibt es Kräfte in der türkischen Regierung, die empört sind und dafür sorgen, dass entsprechendes Material an die Presse gelangt. Ich bin mir nur nicht sicher, ob das mit Zustimmung des Präsidenten geschieht.

Khashoggi war im Nahen Osten recht bekannt. Seine Ermordung hat Auswirkungen auf mehrere Länder, denn er soll ein Muslimbruder gewesen sein.
Khashoggi war selbst vielleicht kein Muslimbruder, stand ihnen aber zumindest sehr nahe. Das hat er auch nie geleugnet. Das ist einer der Gründe dafür, warum er ein rotes Tuch für die saudische Führung war. Er hatte Beziehungen zur Muslimbruderschaft und zu Teilen der Herrscherfamilie, die den Kronprinzen kritisch sehen. Und er hatte Glaubwürdigkeit in liberalen Kreisen. Hinzu kommt, dass für Leute wie ihn die Türkei zu einem Zufluchtsort geworden ist. Das ist den Saudis auch ein Dorn im Auge.

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