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Pop

Wunderliches Trio aus den Bergen

Kritik Jütz verzauberten im Musikverein mit Alpenmelodien und Jazz-Improvisation.

„Jütz tanzt und sinniert, hoazt und latscht, secklet und schlarpfet“, stand im Programmheft: wahrlich ein wunderliches Trio, das für sein Wien-Debüt im Musikverein von den Schweizer und Tiroler Bergen herabgestiegen ist! In alpiner Volksmusik, Avantgarde und Jazz verortet, bieten Multiinstrumentalistin Isa Kurz, Kontrabassist Philipp Moll und Blechbläser Daniel Woodtli einen frischen Blick auf all diese Genres.

Mit der „Bergaufpolka“ des Tirolers Peter Moser begann der abendliche Aufstieg: Eine vordergründig fröhliche Weise, in der Studioaufnahme mit deftigen Samples des unvergesslichen Alpen-Zappa Werner Pirchner (1940–2001) gewürzt. Live übernahmen Jütz ein paar von Pirchners skurrilen Sagern à la „Ich bin so wild nach dir, mein Murmeltier“.

 

Schatten auf der Alm

Anarchie ließen sie auch bei manch einem Text walten. So übersetzten sie das ursprünglich im Berner Dialekt geschriebene „Luegid vo Bärg und Tal“ auf Tirolerisch. Träumerische Trompeten umsäumten den beseelten Gesang von Isa Kurz. „Schaug, auf die Alm auf die Matt'n wachsen die dunkl'n Schatt'n“ hieß es da etwa melancholisch. Das Klischee von der permanenten alpinen Fröhlichkeit hat bei Jütz keine Chance. Sie sangen von komplizierten Gefühlslagen, von gar nicht naiven Sehnsüchten nach Transzendenz, zitierten aber auch das „Pippi-Langstrumpf-Lied“. Im rasanten, fast alarmistischen „Tunnelen“ mischten sich Hackbrettklänge und harte Bassrhythmen, im verträumten „Mantua“ Ziehharmonika, Flügelhorn und Kontrabass.

 

Beuschel mit Soul

Ein Jodler aus niedrigeren Gefilden: Den „Schweinsbeuschler“ aus dem niederösterreichischen Schneeberggebiet, der mit einem innigen „Weil i di mog“ endet, sangen einst vazierende Handwerksburschen für eine bescheidene Mahlzeit. Jutz brachten ihn mit viel Soul.

Das zweite Set begann elegisch mit „A Blümel und a Herz“, ehe Jütz mit einer weiteren Werner-Preisegott-Pirchner-Komposition punkteten. Beim „Judenburger Siebenschritt“ begann das hübsche Mürnseer Hackbrett fast vor Behaglichkeit zu leuchten, so gut wurde es gespielt. Und im „Häxesabbat im Pfaffeloch“ regierte die lautmalerische Wucht des Maliziösen.

Konzert in Linz: 21. 10., Brucknerhaus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2018)