Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Wenn der Warenmanager zur Ruhe kommt

Die Frage, in welchen Mengen und Zyklen Kunden Artikel bestellen, treibt die Planer in Produktionsbetrieben um. Eine Visualisierungssoftware soll ihre Prognosen jetzt zuverlässiger machen.

Nein, auf hübsche dreidimensionale Effekte können Disponenten gern verzichten. Wer in Unternehmen Warenströme managt, viele Stunden täglich am Computer Ressourcen zuteilt und über die Bestände im Lager wacht, entwickelt aber so seine Vorlieben. Etwa jene für sauber sortiert abgelegte Datensätze in der Software für Ressourcenplanung, ERP genannt. Und visuell ansprechend – also schnell erfassbar – sollten die Daten in dieser Software, die heute fast jedes Unternehmen nutzt, dann schon auch aufbereitet sein.

Nicht immer ist Letzteres der Fall, weiß Thomas Felberbauer vom Department Medien und Digitale Technologien der FH St. Pölten. „Intuitiv verständliche Diagramme, die farblich hinterlegt ausweisen, wann etwa die abgerufenen Artikelmengen von einer früheren Planung des Kunden abweichen, sucht man häufig vergeblich“, sagt er. Meist unberücksichtigt bleibt auch das langfristige Bestellverhalten von Kunden. Das erschwert die Produktionsplanung.

Ziel des vom Technologieministerium geförderten FFG-Projekts Inno-Fit ist es deshalb, bis 2021 ein webbasiertes Analyse- und Visualisierungstool für akkuratere Prognosen der Bedarfe zu entwickeln.

 

Autozulieferer mischen mit

Beteiligt sind Forscher der FH Oberösterreich, der FH St. Pölten und der Hagenberger Risc Software. Ebenso an Bord sind vier Automobilzulieferer: der Wälzlagerhersteller NKE, der Getriebespezialist ZF, der Aluminiumgussteilefertiger MWS und der Lederausstatter Lecapell. In der Autoindustrie ist die Motivation, Schwankungen im Bestellverhalten des Kunden frühzeitig zu erkennen, besonders hoch. Einsparungen in Unternehmen von bis zu 80.000 Euro jährlich scheinen realistisch, hat man im Projekt errechnet.

Bis Sommer 2019 sammeln und bewerten die Forscher Echtdaten der Industriepartner. „Gemeinsam erstellen wir eine Systematik der Datenströme von der Bestellung bis zur Auslösung des Fertigungsauftrags“, so Klaus Altendorfer, Professor für Produktion und Operations Management an der FH Oberösterreich in Steyr. Per Simulationsmodell aussortieren will man jene Ausreißer in den Datensätzen, die auf Übertragungsfehler der Software oder Eingabefehler durch Mitarbeiter schließen lassen. Bereits angelaufen ist die Programmierung des Webtools an der FH St. Pölten. „Per simplem Drag-and-Drop wird der Disponent die Excel-Daten aus dem ERP ins Webtool ziehen können“, heißt es.

 

Weniger Mehrarbeit

Der Forschungsdienstleister Risc Software soll daraus in einem Folgeprojekt ein marktfähiges Produkt machen. Ein Algorithmus wird dann prozentuell errechnen, wie die Warenbestände durch angepasste Strategien in Lager und Produktion sinken. „Oder etwa auch, in welchem Ausmaß sich die Liefertreue erhöht“, erklärt der Produktionsforscher Altendorfer. Vielleicht ersparen sich Betriebe so auch manche „bisher als notwendig erachtete zusätzliche Nachtschicht“, sagt er.

IN ZAHLEN

30 Prozent der Fertigungskosten könnten laut Forschern aus Israel und den USA durch bessere Informationsqualität vonseiten des Kunden eingespart werden.

20Prozent niedriger könnten die innerbetrieblichen Materialbestände durch einen effizienteren Info-Austausch in der Lieferkette ausfallen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2018)