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Außenpolitik

Südtirols Problem mit dem „Zuviel“

Blick über Covara auf die Dolomiten im Herbst.
Blick über Covara auf die Dolomiten im Herbst.S. Derder / picturedesk.com
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Am Sonntag wählt Südtirol einen neuen Landtag. Österreich mischte im Wahlkampf mit. Was bleibt vom „Doppelpass“?

Wien/Bozen. Alle sind sie gekommen: Bundeskanzler Sebastian Kurz von der ÖVP, Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Infrastrukturminister Norbert Hofer von der FPÖ. Sogar Ex-SPÖ-Chef Christian Kern stattete Südtirol vor den Wahlen am 21. Oktober einen Besuch ab. Dies mag einerseits an persönlichen Gründen liegen, denn Kurz ist ein Freund und Bergkamerad von Philipp Achammer, dem Vorsitzenden der Südtiroler Volkspartei (SVP). Andererseits war es der österreichischen Spitzenpolitik – allen voran den Freiheitlichen – heuer ein besonderes Anliegen, die Verbundenheit mit der autonomen italienischen Provinz zu demonstrieren, nicht zuletzt mit dem Angebot der österreichischen Staatsbürgerschaft.

Nur wollte der Funke nicht so recht zünden. „Es gibt kein öffentliches Interesse am Doppelpass“ – das nüchterne Urteil des Politologen Günther Pallaver deckt sich mit den Meinungen, die man in Südtirol auf der Straße hört. In einer Umfrage von November 2017 waren Zweitpässe gerade einmal für 1,2 Prozent ein Thema. Daran habe sich wenig geändert, glaubt Pallaver. Was viele Südtiroler wirklich bewege, seien zum einen Probleme im Gesundheitswesen, wie etwa lange Wartezeiten. Zum anderen wird ein Thema diskutiert, um das derzeit sowohl in Österreich als auch in Italien kein Politiker herumkommt: „die Ausländerfrage“. Auch wenn offiziell nicht einmal 2000 Flüchtlinge im 520.000-Einwohner-Land leben, gehören die Afghanen und Afrikaner, die sich in den Parks in Bozen treffen, mittlerweile zum Stadtbild. Italiens Innenminister, Matteo Salvini, weiß, wie man daraus Kapital schlägt. Bei einer Wahlkampftour durch Südtirol wagte er sich sogar zum Zeltfest der Kastelruther Spatzen – bei dem er vom überwiegend deutschen Publikum bejubelt wurde.