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US klagt Russin wegen Troll-Fabrik, Moskau droht mit "Reaktion"

Der sommerliche Handshake in Helsinki zwischen Trump und Putin änderte nichts am holprigen Verhältnis von USA und Russland.
Der sommerliche Handshake in Helsinki zwischen Trump und Putin änderte nichts am holprigen Verhältnis von USA und Russland.REUTERS
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Russland sieht die Klage gegen die Finanzchefin einer russischen "Troll-Fabrik" wegen Einmischung in den Wahlkampf als Vorwand der USA, weitere Sanktionen verhängen zu können.

Der Strafantrag der US-Justiz gegen eine Russin wegen versuchter Wahlkampfmanipulation hat zu neuen Spannungen zwischen Moskau und Washington geführt. Der russische Vizeaußenminister Sergej Rjabkow kritisierte die Klage am Samstag als "Vorwand, um weitere Sanktionen gegen unser Land verhängen zu können".

Er drohte den USA mit Konsequenzen: Wenn diese weiterhin "Feindseligkeit" gegenüber Russland an den Tag legten, würden sie eine "umso machtvollere Reaktion" ernten. Rjabkow warf auch "gewissen Politikern" in den USA vor, nun "dieselbe Karte auszuspielen" wie nach der Wahl 2016. Die USA versuchten, Russland durch eine "schändliche Schmierkampagne" unter Druck zu setzen.

Die US-Justiz hatte nach Angaben vom Freitag einen Strafantrag gegen die Finanzchefin der größten russischen Troll-Fabrik gestellt. Sie verdächtigt die 44-jährige Elena Chusjaynowa der gezielten Einmischung in die Kongress- und Regionalwahlen im November.

Trolle werden Internetnutzer genannt, die bewusst Online-Debatten stören und die Atmosphäre vergiften. Chusjaynowa soll laut US-Justiz mit einem Millionenbudget eine große Troll-Kampagne gesteuert haben.

Insgesamt 25 Klagen wegen Wahl-Beeinflussung

Laut US-Behörden war es die erste derartige Anklage im Zusammenhang mit den bevorstehenden Parlamentswahlen in den USA. Die mutmaßliche russische Einmischung in die vorangegangene Präsidentschaftswahl 2016 beschäftigte Justiz und Politik bereits seit längerem. Die US-Justiz klagte inzwischen 25 Menschen in diesem Zusammenhang an, die Regierung verhängte empfindliche wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland.

Der Strafantrag untermauert den von den US-Behörden bereits seit Monaten erhobenen Vorwurf, dass Russland nach seinen mutmaßlichen Cyberinterventionen in die US-Wahl 2016 verdeckten Einfluss auch auf die am 6. November stattfindenden Kongress- und Regionalwahlen zur Amtshalbzeit von Präsident Trump zu nehmen versucht. Moskau hat immer wieder jegliche Einmischung in US-Wahlen kategorisch bestritten.

"Projekt Lachta"

Der aktuelle Strafantrag richtet sich den US-Ministeriumsangaben zufolge gegen die Troll-Aktivistin Chusjaynowa aus St. Petersburg. Sie soll Chefbuchhalterin einer von dem russischen Oligarchen Jewgeni Prigoschin gegründeten Organisation namens "Projekt Lachta" gewesen sein. Die Organisation sei auf verdeckte politische Einflussnahme spezialisiert - unter anderem in den USA, der EU und der Ukraine, hieß es.

Die Organisation ist den Angaben zufolge schon seit Jahren in den USA aktiv, bis in den derzeitigen Wahlkampf hinein. Bei der "Verschwörung" gegen die USA sei es darum gegangen, "Zwietracht" in der politischen Landschaft zu säen und "das Vertrauen in die demokratischen Institutionen zu untergraben", erklärte US-Bundesanwalt Zachary Terwilliger.

Chusjaynowa habe Zahlungen an Aktivisten, für Anzeigen auf Internetplattformen und die Verbreitung manipulativer Inhalte in den Onlinenetzwerken verwaltet, teilten die Strafverfolger mit. Zwischen Jänner 2016 und Juni 2018 sei sie für ein Budget von 35 Millionen Dollar (30,51 Mio. Euro) zuständig gewesen; von dieser Summe sei allerdings nur ein Teil für die Aktivitäten in den USA verwendet worden.

Ziel: Misstrauen verbreiten

Intern seien beim Projekt Lachta die Aktivitäten als "Informationskrieg gegen die Vereinigten Staaten" bezeichnet worden, erklärten die US-Ermittler. Es sei darum gegangen, "Misstrauen" gegen Kandidaten und "das politische System im Allgemeinen" zu verbreiten.

Dabei hätten sich die Beteiligten als "gewöhnliche amerikanische politische Aktivisten" getarnt. Auf Internetplattformen hätten sie tausende falscher Konten eingerichtet und diese zur Verbreitung gesellschaftlicher und politischer Inhalte genutzt.

Trump selbst nimmt zu den Vorwürfen der Wahleinmischung gegen Russland eine ambivalente Haltung ein. So erteilte er beispielsweise zwar im September neuen Sanktionen gegen russische Bürger wegen verdeckter Einmischung seine generelle Zustimmung. Zugleich betont er aber immer wieder sein Interesse an guten Beziehungen zu Moskau.

Die mutmaßlichen russischen Wahlinterventionen 2016 werden von dem US-Sonderermittler Robert Mueller untersucht. Der frühere FBI-Chef untersucht auch, ob es darüber Absprachen zwischen Moskau und dem Trump-Team gab.

(APA/AFP)