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Die Sache mit dem Khashoggi-Double

Überwachungskamera-Aufnahmen des echten Khashoggi, als er das Konsulat in Istanbul betritt.
Überwachungskamera-Aufnahmen des echten Khashoggi, als er das Konsulat in Istanbul betritt.REUTERS
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Hat das saudische Regime tatsächlich ein Double des getöteten Journalisten Khashoggi durch Istanbul geschickt, um von seinem Mord abzulenken? US-Medien legen schlüssige Aufnahmen vor.

Am Dienstag will der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ausführlich zum Tod des saudischen Regimekritikers Jamal Khashoggi Stellung nehmen. Er werde den Mord am Journalisten in aller Brutalität offenlegen, kündigte Erdogan in der "Washington Post" an. Fraglich ist, ob die Türkei das angebliche Tonmaterial veröffentlichen wird, auf dem der Mord zu hören sein soll. Saudiarabien hat seine offizielle Strategie am Wochenende weiter abgeändert und von einer "Schlägerei" im Konsulat in Istanbul am 2. Oktober gesprochen, bei der Khashoggi ums Leben gekommen sein soll.

Neue Indizien lassen nun auch diese Argumentation fraglich erscheinen. Denn der CNN zeigte Videoaufnahmen eines offensichtlichen Khashoggi-Doubles in Istanbul. Ein Mann mit ähnlicher Statur, ähnlichem Bart und ähnlicher Brille - aber etwas zu dichtem Haarwuchs - wird von mehreren Überwachungskameras in Istanbul aufgenommen. Die Aufnahmen seien dem US-Sender von türkischen Behörden zugespielt worden, eine Taktik, die die türkische Regierung in den letzten Tagen stets angewendet hat, um den Druck auf Saudiarabien zu erhöhen, ohne diesen selbst aktiv ausüben zu müssen.

Bei dem Double soll sich dabei um einen jener 15 Männer handeln, die wenige Stunden zuvor per Privatjet aus Saudiarabien in Istanbul gelandet waren. Der Mann kam den Bildern zufolge noch ohne Bart und mit blau-weiß gestreiftem T-Shirt ins saudiarabische Konsulat, verließ es später aber in Sakko, Hemd und Hose wie Khashoggi sie getragen hatte, als dieser am frühen Nachmittag seine Scheidungsdokumente abholen wollte. Doch sein Double trägt beim Verlassen des Konsulats dieselben Turnschuhe wie jener Mann im weiß-blauen T-Shirt. Er hatte sie offensichtlich nicht gewechselt.

Sollte Saudiarabien tatsächlich versucht haben, mit dem Double seine  Variante der Geschichte zu verbreiten, dass Khashoggi das Konsulat ja heil verlassen habe, so dürften die Verantwortlichen später selbst nicht mehr an die Schlagkräftigkeit dieser "Beweise" geglaubt haben. Denn Saudiarabien hat die Bilder vom Double nie veröffentlicht. Der Einsatz eines Doubles würde aber deutlich machen: der Tod von Khashoggi oder zumindest seine Verschleppung nach Saudiarabien waren geplant.

Verbindungen zum Kronprinzen

Die türkische Presse hat im Fall Khashoggi am Montag außerdem eine direkte Verbindung zum saudiarabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman gezogen. Die Zeitung "Yeni Safak" berichtete, der Leiter des zur Beseitigung von Khashoggi entsandten saudiarabischen Kommandos habe von Istanbul aus vier Mal mit bin Salmans Büroleiter, Bader al-Asaker, telefoniert. Mindestens ein Anruf ist dem Bericht zufolge vom Büro des Konsuls in Istanbul erfolgt.

Saudiarabiens neue Version einer "Schlägerei" traf weltweit auf erhebliche Skepsis, da das Königreich zuvor mehr als zwei Wochen behauptet hatte, Khashoggi habe das Konsulat lebend verlassen. Türkische Medien berichten schon seit Wochen, dass der Journalist im Konsulat gefoltert, getötet und zerstückelt worden sei.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen 15 Saudis, die nach Istanbul geschickt worden sein sollen, um Khashoggi zu töten, bzw. sein Double zu spielen. Laut "Yeni Safak" standen die Agenten unter dem Kommando von Maher Abdulaziz Mutreb, der den Kronprinzen als Leibwächter wiederholt auf Auslandsreisen begleitete. Demnach rief Mutreb neben al-Asaker auch eine US-Nummer an, die bin Salmans Bruder Khaled bin Salman gehören könne, der Botschafter in Washington ist.

Kronprinz soll aus der Sache herausgehalten werden

Saudiarabien ist seit Tagen bemüht, den Kronprinzen von dem Fall abzuschirmen. Außenminister Adel al-Jubeir betonte am Sonntag, die Verantwortlichen für den "Mord" an Khashoggi würden bestraft. Zugleich versicherte er aber, es habe sich um eine "nicht-autorisierte Operation" gehandelt, über die der Kronprinz "nicht informiert" gewesen sei. Wo sich die Leiche befinde, wisse er nicht, sagte al-Jubeir.

Der einflussreiche türkische Kolumnist Abdulkadir Selvi schrieb jedoch in der Zeitung "Hürriyet". "Solange der Kronprinz nicht zur Verantwortung gezogen und von seinem Posten abgelöst wird, dürfen wir dieses Dossier nicht schließen". Demnach wurde Khashoggi nach Betreten des Konsulats direkt in das Büro des Konsuls geführt, wo er "erwürgt" worden sei. Anschließend hätte ein Gerichtsmediziner aus dem Team seine Leiche "in 15 Teile zerteilt".

Laut Selvi wurden die Leichenteile aus dem Konsulat geschafft und an einem unbekannten Ort in Istanbul versteckt. Die türkischen Ermittler haben nach einer Durchsuchung des Konsulats und der Residenz des Konsuls die Suche inzwischen auf einen Wald im Norden von Istanbul ausgeweitet. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat angekündigt, am Dienstagvormittag "die nackte Wahrheit" zu dem Fall zu enthüllen.

>> Der Artikel samt Video auf CNN

(APA/AFP/Red.)