Dossier "schenkt" der "Krone" zum 60er ein Magazin

Screenshot aus dem Imagefilm für das neue Printprodukt von "Dossier".Screenshiot

Die Rechercheplattform will über Crowdfunding 60.000 Euro Kapital für ein regelmäßiges Printprodukt sammeln. Die erste Ausgabe widmet sich Österreichs mächtigster Zeitung.

Soll noch einer sagen, heute setze niemand mehr auf Printprodukte. Die Rechercheplattform Dossier rund um Florian Skrabal, Sahel Georg Eckelsberger, Sahel Zarinfard, Fabian Lang, Peter Sim und Julia Herrnböck will in ihrem sechsten Jahr nach vielen Digitalprojekten und Kooperationen mit etablierten Medien nun ein gedrucktes, monothematisches Magazin herausbringen. Mit der Produktion loslegen will das Team erst, wenn es mittels Crowdfunding ein Kapital von 60.000 Euro aufstellen kann. Das erste Heft wird 20 Euro kosten, dafür aber werbefrei sein, somit braucht es 3000 Menschen, die das Magazin zwischen 22. Oktober und 30. November auf der eigens gebauten Website crowdfunding.dossier.at kaufen.

Am Montagabend enthüllte Dossier die Pläne unter anderem mit musikalischer Unterstützung des Duos Christoph & Lollo und einer konkreten Idee für das erste Heft: Am 11. April 2019 begeht die „Kronen Zeitung“ ihr 60-Jahr-Jubiläum in der Ära Dichand, deshalb widmet Dossier der mächtigsten Zeitung des Landes das erste Heft. Im März wird es den Abonnenten per Post zugestellt. Unter dem Titel „Wer hat Angst vor der ,Kronen Zeitung‘“ wird es darin um die Folgen des kürzlich abgeschlossenen Verlassenschaftsverfahrens nach Hans Dichand gehen, sowie unter anderem um das Volumen der Inserate aus öffentlicher Hand.

Dichand-Erben übernahmen "Krone"-Anteile

Acht Jahre nach dem Tod des legendären "Kronen Zeitung"-Gründers Hans Dichand wurde nun offenbar dessen Verlassenschaftsverfahren geregelt. Das berichtete Dossier am Montag. Helga Dichand und ihre drei Kinder Michael, Johanna und Christoph haben Ende September 2018 "im Erbwege zu gleichen Teilen" den 50-Prozent-Anteil Dichands an der "Krone" übernommen. Die vier Erben halten damit je 12,5 Prozent an Österreichs größter Zeitung.

Die anderen 50 Prozent an der "Kronen Zeitung" hält die deutsche Funke-Mediengruppe, die früher als WAZ firmierte. Die Dichands und ihr deutscher Partner liegen seit Anfang der 2000er-Jahre im Streit um die strategische Ausrichtung und Führung der Tageszeitung. Dieser nahm auch nach dem Tod Hans Dichands im Juni 2010 kein Ende. Seither wird das Blatt von Christoph Dichand geführt, der als Herausgeber und Chefredakteur fungiert und die Familie im Gesellschafterausschuss vertritt. Die lange Dauer des Verlassenschaftsverfahrens dürfte nach Kennern der Familie vor allem auf die umfangreichen Kunstsammlung Dichands zurückzuführen sein.

Auch "Heute" und "Österreich" im "Dossier"-Visier

Dossier hat bereits 2014 und 2016 Recherchen zu „Heute“ und „Österreich“ veröffentlicht, zuletzt zum Start des Buwog-Verfahrens ein umfangreiches Digital-Dossier inklusive dem (später preisgekrönten) Comicvideo "Supernaked", das die Zusammenhänge erklärt. Die 60.000 Euro, die sie für den Start sammeln ergeben sich unter anderem aus den Kosten für drei Vollzeitmitarbeiter für drei Monate sowie Druck, Vertrieb und die Produktion der Nullnummer. Zwei ganzseitige Inserate in der „Krone“ kosten derzeit übrigens genauso viel Geld.

>> Hier kann man ein Heft finanzieren.