Steirischer Apple-Zulieferer ams löst Alarm an der Börse aus

ams copyright

Die Aktie des steirischen Chipherstellers ams startet mit Kursverlusten von mehr als 30 Prozent in den Handel. Der Kurssturz, ausgelöst durch einen enttäuschenden Ausblick auf das laufende Quartal, reißt europäische Technologiewerte mit.

Die Aktien des steirischen Chip- und Sensorherstellers ams, die an der Börse in Zürich gelistet sind, sackten am Dienstag zum Handelsstart um mehr als 30 Prozent auf 34,10 Franken ab. Das ist der zweitgrößte Kurssturz der Firmengeschichte. Es ist nicht das  Ergebnis für das dritte Quartal, sondern der enttäuschende  Ausblick auf das Schlussquartal, welcher den Papieren der  Österreicher zusetzt. Insbesondere in Bezug auf die Margenentwicklung hatten sich Analysten einiges mehr erhofft.

 

Am Vormittag reduzierten sich die Verluste auf rund 19 Prozent. Der Ausverkauf bei ams setzt die europäischen Technologiewerte unter Verkaufsdruck. Der Branchenindex fällt um 2,5 Prozent. Die Aktien von Infineon und von STMicro sind mit 17,11 Euro und 13,28 Euro jeweils so billig wie zuletzt vor etwa eineinhalb Jahren.

Schon das ganze Jahr haben ams-Papiere einen schweren
Stand; für 2018 resultiert ein sattes Minus von 54 Prozent.
Meldungen über schwache iPhone-Vorbestellungen, der US-Konzern
mit dem Apfel-Logo gilt als der mit Abstand grösste ams-Kunde,
und später Gewinnmitnahmen im Tech-Sektor allgemein setzten den
Papieren das ganze Jahr über zu.

Die von ams am Vorabend präsentierten Drittquartalszahlen
können aber nicht als Auslöser für den jüngsten Kurssturz
herhalten. Diese waren vom Start eines neuen iPhone-Modells
geprägt und sind insgesamt in den Erwartungen der Analysten
ausgefallen.

Schwache Vorgaben für Schlussquartal

Für enttäuschte Gesichter sorgen hingegen die Vorgaben für
das vierte Quartal. Mit 570 bis 610 Millionen Dollar liegt
selbst das obere Ende der Umsatzvorgaben hinter den Erwartungen  zurück. Noch deutlicher ist die Diskrepanz bei den
Margenvorgaben. Die genannten 16 bis 20 Prozent bleiben hinter
den Konsenserwartungen zurück. Vontobel etwa schätzte eine Marge von 26 Prozent.

Grund für die etwas tieferen Margen im Schlussquartal
dürfte ein veränderter Produktmix hin zu reiferen Produkte sein,
mutmasst ZKB-Analyst Andreas Müller. Michael Foeth von der Bank
Vontobel denkt, dass eine effizientere Produktion der optischen
Filter daran Schuld hat. Denn im Umkehrschluss sei daher die
Kapazitätsauslastung gesunken.

Was auch immer der Grund für die relativ tiefen Erwarten
von ams sind: Viele Experten müssen nun ihre Schätzungen mit dem
Rotstift überarbeiten. Den Anfang mach gleich Foeth, der sein
Kursziel um 16 auf 91 Franken senkt. Der Vontobel-Experte bleibt
aber bei seiner Kaufempfehlung.

Positiv wird von den Experten zur Kenntnis genommen, dass
ams die für 2019 und 2020 geltenden finanziellen Ausblicke
bestätigt hat. Die Marschroute der Österreicher stimmt also
offenbar.

Der Konzern, der optische Sensoren für die Gesichtserkennungs-Funktion in Smartphones herstellt, will zudem im zweiten Quartal 2019 eigene Aktien an der Börse in Hongkong notieren. Im Rahmen der Transaktion sollen aus dem genehmigten Kapital bis zu zehn Prozent neue Aktien ausgeben werden. "Dass ams die Aktie dort handeln will, wo auch die Kunden sind, ist eine gute Sache und erhöht die Chance, dass die Firma übernommen werden könnte", sagte ein Händler.

(awp/Reuters)