Insolvenzgefahr bei Waagner-Biro - 107 Kündigungen angemeldet

Waagner-Biro-Vorstand Thomas Jost
Waagner-Biro-Vorstand Thomas JostDie Presse/Fabry

Waagner-Biro schickt die Tochter SBE Alpha AG in Konkurs. Die Stahlbaufirma stolperte über Großprojekte im Mittleren Osten und in Russland. Sie hat 77 Millionen Euro Schulden. Der Rest der Gruppe ist insolvenzgefährdet.

Die Waagner-Biro AG hat heute für eine ihrer Tochtergesellschaften, die SBE Alpha AG, die Eröffnung eines Konkursverfahrens beantragt. Der Rest der Gruppe sei insolvenzgefährdet. Es werde angestrebt, das Fortbestehen einzelner Unternehmensteile zu ermöglichen, heißt in einer Mitteilung des Konzerns. Laut den Gläubigerschutzverbänden AKV und Creditreform   betragen die Passiva der insolventen Firma 77 Millionen Euro, die Aktiva werden mit 39 Millionen Euro beziffert. Der KSV1870 nennt Verbindlichkeiten von 108 Millionen Euro, weiters würden noch Eventualverbindlichkeiten in der Höhe von 40 Millionen Euro bestehen. Von der Großinsolvenz, die auf ein 2016 im Mittleren Osten fertiggestelltes Großprojekt (das spektakuläre Kuppeldach für den Louvre Abu Dhabi), aktuelle Liquiditätsprobleme aufgrund mangelnder Zahlungsmoral von Geschäftspartnern und einen erheblichen Zahlungsausfall bei einem Großprojekt in Russland zurückgeführt wird, sind Hunderte Gläubiger betroffen.

"Aus Sorgfaltsgründen", so Waagner-Biro, wurden die 107 Mitarbeiter der SBE Alpha AG beim AMS Wien im Zuge des Frühwarnsystems angemeldet. Etwaige Ansprüche und Forderungen der Mitarbeiter der SBE Alpha AG sind über den Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF) gesichert. Um die Abwicklung des Konkursverfahrens wird sich Rechtsanwalt Stephan Riel als Masseverwalter kümmern.

Die Waager-Biro-Firma SBE, deren Grundkapital 4,5 Millionen Euro beträgt, heißt übrigens erst seit dem 15. Oktober so. An diesem Tag wurde die frühere Waagner-Biro Stahlbau AG in einer außerordentlichen Hauptversammlung umbenannt. Bei der ordentlichen Hauptversammlung am 21. März war die Welt noch in Ordnung und der gesamte Bilanzgewinn von  2,382 Millionen Euro auf neue Rechnung vorgetragen worden. Die damalige Stahlbau AG wies für 2017 einen Umsatzeinbruch von 46 auf 23,8 Millionen Euro und einen überschaubaren Jahresfehlbetrag von knapp 320.000 Euro nach zuvor 1,48 Millionen Euro Gewinn aus. Per Jahresende 2017 lag der Auftragsbestand mit 93,9 Millionen Euro deutlich über dem Vorjahreswert. Das Unternehmen hat Töchter in London, Warschau, Abu Dhabi und St. Petersburg und per Ende 2017 eine Eigenkapitalquote von 17,2 Prozent.

 

Konzern mit 1400 Mitarbeitern

Waagner-Biro ist eine österreichische Unternehmensgruppe mit Sitz in Wien. Sie hält Beteiligungen an nationalen und internationalen mittelständischen Unternehmen in den Geschäftsfeldern Stahl-Glas-Technik, Brückenbau, Bühnentechnik und Spezialmaschinenbau. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.400 Leute an 15 Standorten in Europa, dem arabischen Raum und Südostasien. Der Exportanteil beträgt knapp 95 Prozent. Im Vorjahr setzte die Gruppe 191,6 Millionen Euro um, der Jahresgewinn blieb mit 10,1 Millionen Euro stabil. "Schwankungen zwischen den einzelnen Sparten konnten durch die weiter vorangetriebene Internationalisierung und Diversifizierung innerhalb der Gruppe ausgeglichen werden", erklärte Vorstandschef Thomas Jost im April die Unternehmensentwicklung.

Die gesamte Stahlbau-Gruppe setzte im Vorjahr mit 178 Mitarbeitern 51,2 Millionen Euro um. Ihre Eigenkapitalquote fiel von 17,7 auf 11,9 Prozent. Waagner-Biro ist für spektakuläre Projekte bekannt. Für den Louvre Abu Dhabi etwa wurde ein Kuppeldach mit 178 Metern Durchmessern aus Stahl und Aluminium gebaut. Eine der bekanntesten Projekte, welche von der insolventen Stahlbaufirma umgesetzt wurden, waren beispielsweise die Kuppel des Reichstagsgebäudes in Berlin und der Queen Elisabeth II. Court im British Museum in London.

Louvre Abu Dhabi

Im November 2017 wurde die Dependance des Louvre Museums in Paris auf der Museumsinsel in Abu Dhabi eröffnet. Mit der Realisierung des Kuppeldachs gelang Waagner-Biro die Umsetzung eines weiteren prestigeträchtigen Projekts. Der Entwurf stammt vom französischen Stararchitekten Jean Nouvel. Der Auftragswert  umfasste knapp 80 Millionen Euro.

Mit 178 Metern Durchmesser entspricht die offene – aus Stahlprofilen gefertigte – Kuppelkonstruktion der Größe von fünf Fußballfeldern. Für seine Leistung in Zusammenhang mit dem Louvre Abu Dhabi wurde Waagner-Biro  mit dem European Steel Building Award ausgezeichnet.