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Riad geht im Fall Khashoggi in die Defensive

Trotz prominenter Absagen wurden bei Treffen in Riad Milliardenverträge signiert.

Riad. Die saudische Regierung geht angesichts internationaler Vorwürfe wegen des Mordes am Journalisten Kemal Khashoggi in die Defensive: „So etwas darf nie wieder passieren“, sagte Saudiarabiens Außenminister, Adel al-Jubair. Er kündigte Konsequenzen und umfassende Ermittlungen an. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen.

In Riad ist man bemüht, Kronprinz Mohammed bin Salman von dem Fall zu distanzieren, doch bleibt der Verdacht, dass der ungestüme Kronprinz hinter der Tötung des unbequemen Kritikers steht. Wie groß der Schaden für Saudiarabien ist, hat sich beim Wirtschaftsforum in Riad gezeigt, das gestern begonnen hat. Salman wollte bei dem Treffen, das in Anspielung auf den berühmten Wirtschaftsgipfel in den Schweizer Alpen Davos in der Wüste genannt wird, eigentlich sein ehrgeiziges wirtschaftliches Reformprogramm präsentieren und um Investitionen werben. Wegen des Falls Khashoggi haben in den vergangenen Wochen aber Dutzende Politiker, Unternehmer und Medienkonzerne ihre Teilnahme für die Konferenz am Dienstag abgesagt. Auch IWF-Chefin Christine Lagarde, französische und britische Minister reisten nicht hin. US-Finanzminister Steven Mnuchin sagte ebenfalls ab, allerdings reiste er nach Riad und traf dort den Kronprinzen sowie seinen saudischen Amtskollegen.

Trotz internationaler Entrüstung wurden am Dienstag in Riad internationale Milliardenverträge in den Bereichen Energie und Verkehr abgeschlossen. Zudem machten führende Unternehmen aus Russland oder China keine Anstalten, ihre Teilnahme abzusagen. Auch viele westliche Firmen wollen den Kontakt nicht ganz abreißen lassen und schicken statt ihrer Chefs andere Vertreter nach Riad. Ghanem Nuseibeh von der Beratungsfirma Cornerstone Global Associates erwartet daher, dass es bald wieder business as usual sein werde. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2018)