24 Verletzte bei Rollentreppeneinsturz in Rom

Roms Bürgermeisterin macht die Fußballfans verantwortlich.APA/AFP/CECILIA FABIANO

Vor einem Champions-League-Spiel sind mehrheitlich russische Fußball-Fans in einen Unfall auf einer Rolltreppe verwickelt. Der Vorfall verdeutlicht die marode Infrastruktur Italiens.

In Rom sind am Dienstagabend beim Einsturz einer Rolltreppe 24 Personen verletzt worden. Bei den Betroffenen handelt es sich mehrheitlich um Fans des russischen Klubs ZSKA Moskau, die auf dem Weg zum Champions-League-Spiel des russischen Hauptstadtklubs gegen den AS Rom unterwegs waren. Der Unfall hatte sich am Dienstagabend in der U-Bahn-Station Repubblica ereignet.

Möglicherweise seien die russischen Fans auf dem Weg ins Stadion betrunken gewesen und auf der Treppe gesprungen, so dass diese nachgegeben habe, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Die meisten Menschen seien eingeklemmt worden und hätten Verletzungen an den Beinen erlitten.

Videoaufnahmen aus der U-Bahn-Station mitten im touristischen Zentrum der Stadt zeigen, wie die Stufen der Rolltreppe erst immer schneller fahren und dann anscheinend ungebremst dem Boden entgegenrasen. Am Ende der Treppe stürzen die Leute übereinander, stapeln sich, einige springen in Panik über den Handlauf.

Kritik am Zustand des öffentlichen Verkehrs in Rom

Die römischen Staatsanwaltschaft und die Nahverkehrsgesellschaft ATAC, Betreiberin von Roms U-Bahnen, haben Ermittlungen zur Unfallursache eingeleitet. Die schwerverschuldete ATAC-Gesellschaft, die wegen des ineffizienten Nahverkehrssystem in der Hauptstadt immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik gerät, versicherte, dass die Rolltreppe erst kürzlich kontrolliert worden sei.

Der Unfall nährt erneut Kritik am Zustand des öffentlichen Nahverkehrs in Rom. Fahrzeuge und Infrastrukturen gelten als veraltet. Im Mai war ein Linienbus in unmittelbarer Nähe des Trevi-Brunnens in Flammen aufgegangen. Die Nahverkehrsgesellschaft ATAC mit 11.000 Bediensteten steht vor dem finanziellen Zusammenbruch. Für ein beratendes Referendum wurden Unterschriften gesammelt, mit dem die Römer über die ATAC-Privatisierung abstimmen sollen. Damit hoffen die Initiatoren, mehr Effizienz in Roms öffentliches Verkehrssystem zu bringen. Bürgermeisterin Raggi, die der populistischen Fünf Sterne-Bewegung angehört, wehrt sich jedoch gegen die Privatisierung.

Stadtchefin Virginia Ragi hatte vor ihrem Amtsantritt im Juni 2016 eine "Revolution" versprochen, die die größte öffentliche Verkehrsgesellschaft Europas in ein effizientes Unternehmen verwandeln werde. Die vorhergesagte radikale Umwandlung ist bis jetzt jedoch komplett ausgeblieben. Täglich kämpfen Einwohner und Touristen in der Ewigen Stadt mit einem veralteten U-Bahn-Netz, einem ineffizienten Linienbus-System und mit unpünktlichen und unzuverlässigen Verkehrsmitteln. Ebenfalls ist es der 40-jährigen Raggi nicht gelungen, Probleme wie Müllentsorgung und Sauberkeit in der Stadt in den Griff zu bekommen.

Mehr Schulden für Sanierung

Nicht nur die Hauptstadt kämpft mit veralteten Verkehrsinfrastrukturen. Die Probleme Italiens in diesem Bereich wurden im August auf dramatische Weise deutlich, als beim Einsturz einer Brücke in Genua 43 Menschen ums Leben kamen. Die Regierung aus Lega und Fünf Sterne-Bewegung will jetzt 15 Milliarden Euro für Investitionen in Infrastrukturen locker machen. Größere Investitionen im Infrastrukturbereich seien dringend notwendig, weil Italien in den vergangenen Jahren an der Instandhaltung von Brücken und Straßen sehr gespart habe, verlautete es aus der Regierung.

"Italien muss nicht nur Straßen und Brücken, sondern auch Schulen sowie gefährdete öffentliche Gebäude dringend sanieren", sagte zuletzt der Staatssekretär und Lega-Spitzenpolitiker Giancarlo Giorgetti, Vertrauensmann von Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini. Um diese Großprojekte zu finanzieren, will Italien sein Defizit steigern, wogegen sich die EU-Kommission jedoch heftig wehrt. Am Dienstag hatte Brüssel Italiens Haushaltsplan für 2019 mit einem Defizit von 2,4 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) zurückgewiesen.