Fall Khashoggi: Saudis verweigerten zunächst Spurensuche in Brunnen

Das saudische Konsulat
Das saudische KonsulatAPA/AFP/YASIN AKGUL

Die türkischen Ermittler wurden bei der Untersuchung des Konsulats in Istanbul behindert. Dort war der saudische Regimekritiker Khashoggi ermordet worden.

Saudi-Arabien soll  der Türkei bei der Suche nach Spuren des getöteten Journalisten Jamal Khashoggi den Zugang zu einem Brunnen im Garten des Konsulats in der Vorwoche verwehrt habenNach mehreren Berichten in regierungsnahen türkischen Medien wurde die Erlaubnis dann erst am Mittwochnachmittag erteilt.

Die Ermittler hatten das Generalkonsulat Saudi-Arabiens in Istanbul zweimal und die Residenz des Konsuls einmal durchsucht. Saudi-Arabien gab die Tötung Khashoggis im Istanbuler Konsulat zu, stellte sie aber als Folge einer Schlägerei dar. Der saudi-arabische Journalist hatte das Konsulat des Königreichs am 2. Oktober betreten und war nicht mehr herausgekommen.

Paris hält den Ball flach

Frankreich gab unterdessen bekannt, vorerst keine Sanktionen gegen Saudi-Arabien zu verhängen. Das Büro von Präsident Emmanuel Macron erklärte am Mittwoch in Paris, im Fall Khashoggi werde "keine überhastete Entscheidung gefällt". Der Elysee-Palast rief Saudi-Arabien auf, eine "glaubwürdige Untersuchung durchzuführen", um die Verantwortung Riads in dem Fall festzustellen.

Regierungssprecher Benjamin Griveaux ergänzte nach der Kabinettssitzung, es würden erst dann Strafmaßnahmen ergriffen, wenn die französischen Geheimdienste die Verantwortung Saudi-Arabiens für den Tod Khashoggis bestätigt hätten. Die USA und Großbritannien hatten zuvor erste Sanktionen gegen das Land angekündigt. Washington belegte 21 saudi-arabische Tatverdächtige mit Einreisesperren, London will "allen Verdächtigen" das Visum entziehen.

Frankreich ist ein wichtiger Waffenlieferant und Handelspartner für Saudi-Arabien. Im vergangenen Jahr verkaufte Paris nach eigenen Angaben Rüstungsgüter im Wert von knapp 1,4 Milliarden Euro an Riad. Dazu kam Militärmaterial im Wert von rund 630 Millionen Euro. Der Wert der sonstigen Exporte stieg 2017 auf 4,5 Milliarden Euro, das waren fast neun Prozent mehr als im Vorjahr.