Mehr als Elektropop: Robyn kehrt mit dem meisterlichen Album "Honey" zurück.
Kaum jemand bringt Melancholie und Herzschmerz zum Tanzen wie die Schwedin Robyn. „There’s this empty space you left behind", singt sie zu Synthesizerklängen, die wie glitzernde Regentropfen auf sie niederprasseln, während sie ihre Erinnerungen, Taschen und Schachteln durchforstet: nach Spuren eines geliebten Menschen. „Missing U", so heißt dieser fesselnde Song, eröffnet „Honey", ihr erstes Album seit der "Body Talk"-Trilogie aus 2010. Er kreist auf berührende Weise um das schmerzhafte Gefühl, jemanden verloren zu haben. Und schließt nahtlos an die bittersüßen, bisweilen hymnischen Elektropopsongs an, die der heute 39-Jährigen eine treue Fangemeinde erschlossen haben: an Tränen-am-Dancefloor-Großtaten wie „Dancing on My Own" (2010) oder „With Every Heartbeat" (2005), mit denen sie eine ganze Generation selbstbewusster Popkünstlerinnen – von Charlie XCX bis Lorde – beeinflusst hat. Als erste Single veröffentlicht, wirkt „Missing U" wie ein Befreiungsschlag: Als ob ihr dieser so fundamental typische Robyn-Song den Freiraum verschafft hätte, im Rest des Albums neues Terrain zu erschließen. Schon „Honey", Titelstück und zweite Vorabsingle, klingt anders als alles, was sie bisher gemacht hat. Mehr Clubtrack als Popsong, findet es seinen Reiz in einem hypnotischen Puls. „No, you’re not gonna get what you need", singt sie mit echobeladener Stimme zum beschleunigten Herzschlag-Beat. „But baby, I have what you want." Das gilt für das ganze Album. „Honey" klingt wärmer und weicher als seine Vorgänger. „Send to Robyn Immediately" etwa hebt an wie eine Soul-Nummer, mit Backgroundchor und Orgel, bevor aus dem watteweichen Soundteppich nach und nach ein infektiöser, vom House-Klassiker „French Kiss" gesampelter Groove hervortritt.
„Ever Again". Wie fühlt sich ein Song an, den ein Liebespaar als „ihren" auserkoren hat, wenn die Beziehung aus ist? Davon handelt „Because It’s in the Music", das „right back in that moment" führt, als die Liebenden dazu tanzten. „I still play it anyway", singt Robyn mit sentimentaler Stimme, zu fast schon kitschigen Arrangements und hüpfendem Discobass. Und fügt hinzu: „And it makes me want to cry." Genau das ist dieses Stück, wie viele auf „Honey": zum Weinen schön. Im Kontrast dazu das Versprechen, dass sie in der Schlussnummer „Ever Again" gibt: „I’m never going to be broken-hearted ever again." Lass dich vom Herzschmerz nicht auffressen, das Leben geht weiter! Welch schönes Plädoyer zum Abschluss dieses meisterlichen Albums.