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Einen Moment! Nur noch kurz die Welt retten...

Im Durchschnitt aktivierten die Probanden ihr Smartphone alle 13 Minuten für insgesamt zweieinhalb Stunden täglich.
Im Durchschnitt aktivierten die Probanden ihr Smartphone alle 13 Minuten für insgesamt zweieinhalb Stunden täglich.(c) imago/PhotoAlto (Frederic Cirou)
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Durch die mobile Kommunikation wird der Arbeitsort unwichtiger. Die Grenze zwischen Beruf und Privatleben verschwimmt. Forscher der TU Wien untersuchten, wie sehr dies das Wohlbefinden bedroht.

Es muss ja nicht gleich Digital Detox sein, also der völlige Verzicht auf digital vernetzte Kommunikation, wenn man eine Zeit lang nicht von Onlinebotschaften gestört werden will. Forscher und Forscherinnen der TU Wien raten als Konsequenz aus einer aktuellen Studie über die Nutzung von Smartphones zunächst einmal zu einem reflektierten und regulierten Umgang damit.

„Wer ständig sein Handy nutzt, ist weniger zufrieden mit dem Leben allgemein, aber auch mit der Arbeit im Speziellen“, erklärt Martina Hartner-Tiefenthaler vom Institut für Managementwissenschaften. „Wer am Wochenende zwischendurch E-Mails liest, beschäftigt sich unbewusst weiter damit, auch wenn diese nicht sofort bearbeitet werden.“ Deshalb empfiehlt Hartner-Tiefenthaler, Zeiten ohne Smartphone und E-Mails einzuplanen. Es sei sinnvoll, diesbezügliche Erwartungen mit dem Arbeitgeber zu klären.

Österreich liegt bei der Smartphonenutzung der Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren in der Europäischen Union an siebter Stelle. 82 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sind über das Smartphone vernetzt – und zwar sowohl privat als auch im Arbeitsleben.

 

44 Mal der Blick auf das Handy

Welche Auswirkungen hat die Smartphonenutzung nun konkret auf Wohlbefinden und Arbeitserleben der Menschen? Das fragten die Forscher und Forscherinnen in Zusammenarbeit mit der Arbeiterkammer Niederösterreich. Die Forschungsgruppe Industrial Software der TU Wien entwickelte für das Forschungsvorhaben eine eigene App, Ylvi (Your Latest Verified Usage Information). Mit Ylvi kann die Nutzung des Geräts, auf dem das Programm installiert ist, aufgezeichnet werden.

So gelang es zu erfassen, welche Apps die 149 Teilnehmer und Teilnehmerinnen an der Studie wie oft und wie lang nutzten. Außerdem gaben diese auf Fragebögen und mit Kurztagebucheinträgen Auskunft darüber, wie sie sich fühlten und ihren vorherigen Tag erlebt hatten. Objektive Nutzungsdaten und die subjektive Selbsteinschätzung wurden kombiniert miteinander ausgewertet. Bezeichnend: Alle Beteiligten unterschätzten den Anteil der Zeit, den sie täglich am Smartphone mit Nachrichtendiensten verbrachten.

Im Durchschnitt aktivierten die Probanden ihr Smartphone 44 Mal am Tag, alle 13 Minuten, für insgesamt zweieinhalb Stunden täglich. Diejenigen, die am häufigsten einschalteten, waren insgesamt durchschnittlich 237 Minuten am Smartphone. Diese Gruppe – der Altersdurchschnitt lag bei 32 Jahren – wurde als intensive Nutzer bezeichnet. Zur Gruppe der moderaten Nutzer zählten deutlich mehr Männer, der Altersdurchschnitt lag hier bei 44 Jahren. „Intensive Nutzerinnen und Nutzer waren deutlich unzufriedener mit ihren Arbeitstagen als moderate“, so Hartner-Tiefenthaler. „Sie erleben mehr Langeweile am Arbeitsplatz und sind weniger in ihre Arbeit vertieft. Das kann an der intensiven Smartphonenutzung liegen. Es kann aber auch umgekehrt sein“, erklärt die Psychologin.

Ein interessantes Ergebnis ist, dass intensive Smartphonenutzer an Nichtarbeitstagen mehr Stress und Zeitdruck erleben als moderate. „Hinsichtlich der subjektiven Schlafqualität und der Erholungsqualität gibt es jedoch keine Unterschiede. Jüngere Menschen schlafen oft noch besser“, so Hartner-Tiefenthaler.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2018)