Festnahme nach Paketbombenserie

Verdächtige Pakete: Polizisten vor dem Lokal von Robert de Niro in Manhattan.
Verdächtige Pakete: Polizisten vor dem Lokal von Robert de Niro in Manhattan.APA/AFP/GETTY IMAGES/Drew Angere

Verdächtige Pakete erreichten prominente Kritiker von Trump. Der Präsident sagte, sie schaden dem Wahlkampf der Republikaner. Kurz vor der Kongresswahl spitzt sich die Rhetorik zu.

New York. Am Freitag nahm das Leben in Manhattan seinen gewohnten Lauf. Robert de Niros Restaurant an der Greenwich Street in Tribeca sperrte zu Mittag auf, der Nachrichtensender CNN ist längst wieder ins Time Warner Center zurückgezogen, und nahezu alle Straßensperren sind aufgehoben. Die Polizeipräsenz ist groß, aber daran hat man sich längst gewöhnt. Die New Yorker haben gelernt, mit der ständigen Bedrohung des Terrors zu leben.

Die Suche nach einem Paketbomber, der im Lauf der Woche die Millionenmetropole sowie weite Teile der USA in Angst und Schrecken versetzt, lief auf Hochtouren, schließlich vermeldete die Polizei am Freitagabend, dass ein Verdächtiger gefasst worden sei. Details waren vorerst keine bekannt.

Mehr als zehn Sendungen mit potenzieller Explosionsgefahr hat ein Unbekannter geschickt, unter anderem an den früheren Präsidenten Barack Obama, seinen Vize Joe Biden, den Sender CNN, den Milliardär George Soros, die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und den Schauspieler de Niro. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie zählen zu den heftigsten Kritikern von Präsident Donald Trump. Keines der bisher gesendeten Pakete explodierte und es ist unklar, ob sie voll funktionstüchtig waren. Die Behörden sind in Alarmbereitschaft, denn mehrere Pakete könnten nach wie vor im Umlauf zu sein. Am Freitag wurden zwei weitere abgefangen, eines davon war für den demokratischen Senator Cory Booker bestimmt.

 

Angriff auf CNN

Auch jene Bomben, die an Obama und Clinton adressiert gewesen waren, hat das Secret Service rechtzeitig abgefangen. Die prominenten Demokraten kamen nie in die Nähe der Pakete. Viel deutet darauf hin, dass die gefährliche Post in Florida aufgegeben wurde, die Ermittler konzentrierten sich auf die Gegend rund um Miami, wo die Festnahme schließlich auch erfolgte. In jedem Fall führt die Bombenserie der Welt einmal mehr eindrücklich vor Augen, wie gespalten die USA momentan sind, wie polarisierend die Stimmung ist. Viele Beobachter machen dafür den Präsidenten verantwortlich, der mit seiner gnadenlosen Rhetorik zusätzlich Öl ins Feuer gieße. Nachdem die ersten Pakete abgefangen wurden, verurteilte Donald Trump das Verbrechen und versuchte gar, die Nation zu einen. Schon am nächsten Tag aber setzte er seinen Angriff auf die politischen Gegner und die Medien – CNN bezeichnet er stets als Fake News – fort.

Es ist bezeichnend, dass es einem Attentäter, dessen Bomben von Experten als verhältnismäßig amateurhaft beschrieben werden, gelingt, eine Gesellschaft weiter zu spalten. So machte unter konservativen Verschwörungstheoretikern die Theorie die Runde, dass Liberale hinter der Attacke stecken könnten, um Trumps Republikanern knapp zwei Wochen vor den Kongresswahlen wichtige Wählerstimmen abtrünnig zu machen. Auch Trump selbst twitterte, dass der „Bomben-Kram“ dem republikanischen Wahlkampf schade.

 

Blick auf die Grenze zu Mexiko

Auch die Feindschaft zwischen Trump und New Yorks demokratischem Bürgermeister, Bill de Blasio, wird durch die Bombenserie einmal mehr angeheizt. Gern beschimpfen sich die beiden per Twitter und im Zuge einer Pressekonferenz machte de Blasio indirekt auch Trumps Rhetorik für die Paketbomben verantwortlich: „Unglücklicherweise trägt eine Atmosphäre des Hasses dazu bei, dass Menschen sich der Gewalt zuwenden.“ De Blasio wird auch in seiner Freizeit stets von einem mehrköpfigen Sicherheitsteam begleitet.

Das Weiße Haus erließ daraufhin ein Statement, dass der einzig Verantwortliche der Absender der Pakete sei. Trump versuchte am Freitag zur Tagesordnung überzugehen und wandte sich der Karawane an Migranten zu, die derzeit durch Mexiko in Richtung USA marschiert. Noch vor den Wahlen am 6. November könnte er eine Direktive erlassen, wonach die Grenze zu Mexiko für Flüchtlinge vorübergehend geschlossen wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2018)