Der Weg zum Geld führt übers Buchgeschäft

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Die Finanzbildung liegt in Österreich im Argen. Das kostet viel Vermögen. Ein Plädoyer für Selbstunterricht.

Wie viele Studien und Umfragen zum Finanzwissen und Sparverhalten der Österreicher auch auf den Markt kommen – ihre Ergebnisse werden und werden nicht anders. Als Hauptaussage liefern sie folgendes Bild: Der überwiegende Anteil der Menschen, die hierzulande etwas auf die Seite legen, tut dies mittels eines Sparbuchs – einer Umfrage der Ersten Bank zufolge sind es 80 Prozent. Danach folgt das Bausparen mit 60 Prozent. Schließlich das Sparen am Girokonto oder eine Lebens- bzw. Kapitalversicherung mit je 44 Prozent.

Angesichts jahrelanger Nullzinsen und einer wieder anziehenden Inflation ein nicht nur nicht ertragreiches, sondern verlustreiches Verhalten. Gewiss, mögen die Betroffenen einwerfen, angesichts der derzeitigen Börsenturbulenzen sei es immer noch gescheiter, einige wenige Prozent beim Sparen zu verlieren, als auf dem Aktienmarkt im Handumdrehen zehn oder mehr Prozent. Ansichtssache, denn im Unterschied zum Sparbuch verloren ist ein Aktieninvestment ja erst, wenn man das Wertpapier, das im Minus ist, auch verkauft.

Jedenfalls beläuft sich die tatsächliche Aktienquote in Österreich auf gerade einmal fünf Prozent, wie eine Umfrage ergab, die das Marktforschungsinstitut Market im Auftrag der Wiener Börse soeben durchgeführt hat.

Das Kernergebnis dieser Erhebung ist, dass Herr und Frau Österreicher die Geldanlage dann scheuen, wenn sie sich in Wirtschaftsfragen zu unerfahren fühlen und das Risiko nicht abschätzen können. „Jene, die über ausgewogenes Wirtschaftswissen verfügen, greifen häufiger zu Aktien, Fonds und Anleihen“, heißt es in der Aussendung der Börse. Für Christoph Boschan, den Chef der Wiener Börse, eine Bestätigung des Grundsatzes, dass Bildung der Schlüssel zum Erfolg ist. Wobei Erfolg hier Vermögensaufbau bedeutet – etwas, das den Menschen lang auch dadurch verleidet wurde, dass es von den Machthabern als verwerfliches Spekulantentum hingestellt wurde.

Es stimmt natürlich, dass es neben der Bildung noch anderer Anreize bedarf, um den Menschen den Weg zur Börse zu erleichtern, wie Boschan betont: Etwa, die erhöhte Kapitalertragsteuer wieder von 27,5 auf 25 Prozent zu senken oder die Spekulationsfrist wieder einzuführen, damit man die Aktien nach langer Behaltedauer steuerfrei verkaufen kann.

Aber der erste und wichtigste Schritt ist Finanzbildung. Und da sie von der Schule nicht angeboten wurde und wird, muss sie eben autodidaktisch erworben werden. Bücher gibt es genug. Wird ohnehin kälter draußen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.10.2018)

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