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Erste Bank Open: Die Durchschlagskraft des südafrikanischen Aufschlagriesen

Gewann sein erstes ATP-„500“-Turnier: der Südafrikaner Kevin Anderson.
Gewann sein erstes ATP-„500“-Turnier: der Südafrikaner Kevin Anderson.(c) APA/HANS PUNZ
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Der Südafrikaner Kevin Anderson gewann die Erste Bank Open in Wien. Die Politik signalisiert Bereitschaft, eine neue Multifunktionshalle entstehen zu lassen.

Wien. Kevin Anderson hat am Sonntag das Finale der Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle gewonnen. Der Südafrikaner setzte sich in 1:55 Stunden Spielzeit mit 6:3, 7:6 (3) gegen den Japaner Kei Nishikori durch und verkürzte damit im direkten Vergleich auf 3:4. Für den 32-jährigen Anderson war es der fünfte Titelgewinn seiner Karriere, der zweite in der laufenden Saison nach dem Erfolg beim Hallenturnier in New York Mitte Februar. „Es ist fantastisch, ich könnte nicht glücklicher sein“, erklärte Anderson, gegen dessen Durchschlagskraft und erstaunliche Konstanz Thiem-Bezwinger Nishikori letztlich nicht genügend entgegenzusetzen hatte.

Anderson sah sich mit nur zwei Breakchancen seines Gegners konfrontiert, konnte beide abwehren und verwertete seinerseits eine seiner sieben Möglichkeiten. Der Lohn: 473.865 Euro Preisgeld und 500 Weltranglistenpunkte. Anderson fixierte damit seine Teilnahme an den World Tour Finals der acht besten Spieler des Jahres in London (ab 11. November). In der Weltrangliste überholt der Routinier Dominic Thiem und den Kroaten Marin ?ilić, er ist nun Sechster.

 

Wien, das bessere Basel

Unmittelbar vor dem Finale hatte Turnierveranstalter Herwig Straka zufrieden Bilanz gezogen. Auch die Auflage 2018 bezeichnete er als einen vollen Erfolg, die 60.000-Besucher-Marke dürfte wie im Vorjahr geknackt worden sein. Vor vier Jahren waren die Erste Bank Open erstmals als ATP-„500“-Event ausgetragen worden – ein kostspieliges und zugleich riskantes Upgrade, „aber es war die absolut richtige Entscheidung“. Die Zuschauer nehmen das Produkt an, am Freitag (Nationalfeiertag) hätten doppelt so viele Tickets verkauft werden können. Und auch von Spielerseite ist die Resonanz durchwegs positiv. Doppelfinalist Mike Bryan lobte das Turnier als „das beste der Welt“, Nishikori bezeichnete seinen Besuch in der Staatsoper als „eines meiner schönsten Erlebnisse überhaupt“.

Das Starterfeld in Wien hatte in diesem Jahr neue Dimensionen erreicht. 14 Top-30-Spieler zeugten von einer immensen Dichte, dem Parallelturnier in Basel (Roger Federer gewann das Finale und seinen 99. Karrieretitel) hat man mittlerweile den Rang abgelaufen. Dass es weder mit der Verpflichtung von Rafael Nadal noch mit jener von Novak Djoković klappte, war angesichts der hochkarätigen Besetzung letztlich verschmerzbar. „Nadal war verletzt und Djoković hat sich dazu entschlossen, in dieser Woche nicht zu spielen“, erklärte Straka. Gegen solche Entwicklungen sei man am Ende des Tages machtlos, „es ist nicht am Geld gelegen“. Selbst die absoluten Topstars nach Österreich zu lotsen bleibe auch für die Zukunft ein großes Ziel. „Außer Roger Federer (er spielt stets in Basel, Anm.) sind alle realistisch.“

Sportlich gesehen war die Erkrankung von Jürgen Melzer vor seinem Achtelfinale gegen Anderson ein Wermutstropfen gewesen. Dominic Thiem habe vor heimischer Kulisse mit seinem Viertelfinaleinzug einen Aufwärtstrend erkennen lassen. „Und gegen einen überragenden Nishikori kann man verlieren“, erklärte Straka.

 

Pläne für Multifunktionshalle

Weil die Stadthalle etwa punkto Kapazität und Technik an ihre Grenzen stößt, werden die Rufe nach einer neuen Multifunktionsarena in der Bundeshauptstadt immer lauter. Peter Hacker (SPÖ), Stadtrat für Soziales, Gesundheit und Sport, erklärte Sonntagnachmittag im Rahmen eines Pressegesprächs in der Stadthalle, es werde bereits „über die Vorbereitung für die wirkliche Planung einer neuen multifunktionellen Halle“ gesprochen.

„Wir brauchen einen Standort, der das kann, was die Stadthalle kann, nur für das 21. Jahrhundert, vielleicht ein bisschen größer.“ Eine Frist, bis wann dieses Projekt gestartet oder finalisiert werden soll, gibt es (noch) nicht. Der Standort würde sich entlang einer U-Bahn anbieten, Hacker nannte konkret die U2.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2018)