Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

"Heimische Sparer haben viel an Potenzial liegengelassen"

Geschlachtetes Sparschwein
Sparer in anderen europäischen Ländern legen ihr Erspartes geschickter an.www.BilderBox.com
  • Drucken

Trotz der Niedrigzinspolitik haben die Sparer in anderen Ländern viel mehr aus ihrem Ersparten herausgeholt als die Österreicher. Sie haben mehr auf Wertpapiere als auf Sparbücher gesetzt.

Der Weltspartag steht vor der Tür. Eigentlich müsste vor ihm gewarnt werden, denn die fortgesetzte Nullzinspolitik der EZB gilt als Gift für die Sparer. Mit der Rückkehr der Inflation wurde dies vor allem für Sparer mit einer hohen Präferenz für Bankeinlagen spürbar. Die durchschnittliche Rendite des Geldvermögens bezogen auf den Bestand stellt sich für die Phase der extremen Geldpolitik der EZB im Sechsjahreszeitraum 2012 bis einschließlich 2017 wie folgt dar:

(c) Allianz

Im (ungewichteten) Durchschnitt aller untersuchten Länder liegt die Rendite des Geldvermögens in der langfristigen Entwicklung nach Abzug der Inflation bei 3,5 Prozent. Die Allianz konstatiert dies in ihrem Wealth Report 2018 als einen sehr ordentlichen Wert.

Die Zahlen verdeutlichen jedoch, dass aus heimischer Sicht Bürger anderer europäischer Nationen ihr Geld effektiver angelegt haben. Österreichische Sparer mussten sich im Zeitraum von 2012 bis 2017 mit einer Rendite von mageren 0,85 Prozent nach Abzug der Inflation zufrieden geben. Demgegenüber konnten die Finnen im gleichen Zeitraum durchschnittliche Zuwächse in Höhe von 6,2 Prozent verbuchen.

Portfoliostruktur entscheidend

Diese Unterschiede lassen sich ohne weiteres auf die Portfoliostruktur zurückführen. Finnland, beispielsweise, hat unter den betrachteten Ländern die höchste Wertpapierquote; am anderen Ende der Skala stehen dagegen die Länder, bei denen der Anteil der Bankeinlagen am Geldvermögen am höchsten ist: Österreich, Deutschland und Portugal.

"Die österreichischen Sparer haben in den vergangenen Jahren angesichts boomender Aktienmärkte viel an Potenzial liegengelassen. Umso wichtiger wäre es, wenn künftig auch wieder Anreize für renditeorientiertes Sparen gesetzt werden", sagt Lukas Sustala, Ökonom und Finanzmarktexperte der Agenda Austria.

 

(c) Allianz

Wegen der Rückkehr der Inflation ist die Rendite im letzten Jahr überall unter den langjährigen Durchschnitt gefallen, teilweise – wie in den Niederlanden und Irland – sogar unter die Nulllinie. Insbesondere Sparer mit einer hohen Präferenz für Bankeinlagen spüren inzwischen die (schädliche) Wirkung der Inflation: Sie erzielen mit ihren Bankeinlagen mittlerweile negative Renditen. Die dabei erlittenen Kaufkraftverluste reichen von 670 Euro pro Kopf in Belgien und 540 Euro in Österreich bis zu rund 50 und 30 Euro pro Kopf in Irland und Frankreich.

Für Österreich bedeutet dies, dass alle Ersparnisse aus dem Arbeitseinkommen, das sind knapp 500 Euro von den Verlusten auf Bankeinlagen wieder aufgezehrt werden.

(red./herbas)