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Eine Milliarde Euro für die Quantenphysik

Die EU startet ihre dritte große Forschungsinitiative, österreichische Wissenschaftler sind gut vertreten.

Der Computermodellierung des Gehirns gilt das „Human Brain Project“, der dritten Modifikation des Kohlenstoffs das – ebenfalls 2013 gestartete – Programm „Graphene“. Nun präsentiert die Europäische Union in der Wiener Hofburg und der Akademie der Wissenschaften ihr drittes Flaggschiffforschungsprogramm: Es widmet sich der Quantenphysik und ist auf mindestens zehn Jahre anberaumt, 5000 Forscher sollen beteiligt sein. Eine Milliarde soll in dieses fließen, eine Hälfte von der EU, die andere von den Mitgliedstaaten und der Industrie.

„The future is Quantum“, heißt es recht pathetisch auf der Homepage (qt.eu): Die zweite Quantenrevolution entfalte (!) sich derzeit, nun sollen die „enormen Fortschritte in unserer Fähigkeit, einzelne Quantenobjekte zu detektieren und manipulieren“, technisch verwertbar werden. Die erste Quantenrevolution, in der die Physiker gelernt haben, die Vorgänge auf mikroskopischer Ebene zu beschreiben, habe uns immerhin u. a. den Laser und den Transistor gebracht, schreibt Tommaso Calarco (Universität Ulm) in einem „Quantum Manifesto“.

Quanten-Einhorn mit Sitz in Wien

141 Projekte wurden eingereicht, 20 wurden einstweilen ausgewählt, darunter zwei, die ihren Hauptsitz in Österreich haben, eines in Wien, eines in Innsbruck. Das Austrian Institute for Technology koordiniert „Uniqorn – Affordable Quantum Communication for Everyone“, das erste Wort ist offenbar kein Akronym, sondern sozusagen die quantisierte Version des beliebten Fabeltiers: Fernziel ist die Etablierung eines Internets auf Quantenbasis, also mit Qubits statt Bits. Die Uni Innsbruck und das Innsbrucker Institut für Quantenoptik und Quanteninformation leiten das Projekt „Aqtion“, das die Entwicklung industrieller Quantencomputer fördern soll. Innsbrucker Physiker – etwa Peter Zoller – sind auch am Projekt Pasquans beteiligt, das an einem programmierbaren Quantensimulator arbeitet, Bausteine sind hier in optischen Gittern gefangene Ionen, mit dieser Technik hat man in Innsbruck ja einige Erfahrung.

Koordiniert wirken soll ein „Quantum Community Network“, in dem Markus Aspelmeyer (Uni Wien) als österreichischer Vertreter sitzt. (APA/tk)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.10.2018)