Italiens Wirtschaft stagniert überraschend

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Die italienische Wirtschaft kam im Sommer vom Wachstumskurs ab. Eigentlich haben Experten mit einem kleinen Plus gerechnet.

Die Wirtschaft des in den Fokus der Finanzmärkte gerückten EU-Staats Italien hat im Sommer überraschend stagniert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) blieb zwischen Juli und September zum Vorquartal unverändert, wie das nationale Statistikamt Istat am Dienstag mitteilte. Experten hatten mit einem kleinen Plus von 0,1 Prozent in der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone gerechnet. Im Frühjahr war noch ein Zuwachs von 0,2 Prozent verzeichnet worden.

Conte: "Haben mit Entwicklung gerechnet"

Premier Giuseppe Conte zeigt sich unbekümmert. "Es handelt sich um eine Entwicklung, mit der wir gerechnet hatten. Daher haben wir uns für einen expansiven Haushaltsplan entschlossen, der diesen Trend ändern soll", sagte Conte nach Medienangaben.

Italien ist nach Griechenland das am höchsten verschuldete Euro-Land mit einem Schuldenberg von mehr als 130 Prozent des BIP. Dennoch plant Italiens Regierung für 2019 eine Neuverschuldung von 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die populistische Regierung in Rom will das Wachstum unter anderem mit Steuersenkungen und höheren Sozialausgaben ankurbeln und nimmt dafür deutlich höhere Schulden in Kauf. Italiens Haushaltsentwurf wird von der EU-Kommission jedoch abgelehnt. Der Streit schürte unter Anlegern Ängste vor einer neuen Schuldenkrise und hat zu einem Kurseinbruch bei italienischen Anleihen geführt. Dies sorgt für Druck auf die Banken, die heimische Staatstitel im Gesamtwert von rund 375 Milliarden Euro in ihren Büchern haben.

Renzi: "Selbstmörderische Politik"

Italiens Ex-Premier Matteo Renzi übte scharfe Kritik: Er machte die "selbstmörderische Politik" der seit Juni amtierenden populistischen Regierung für diese Entwicklung verantwortlich. Renzi rief die Regierung auf, den Haushaltsplan sofort zu ändern.

Im Euroraum-Durchschnitt ist das BIP im Gegensatz zu Italien im dritten Quartal um 0,2 Prozent und in der EU-28 um 0,3 Prozent gestiegen. Dies geht aus einer vorläufigen Schnellschätzung hervor, die von Eurostat am Dienstag veröffentlicht wurde. Im zweiten Quartal 2018 hatte das BIP in der Währungsunion um 0,4 Prozent und in der EU-28 noch um 0,5 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres zugelegt. Im Jahresvergleich - drittes Quartal 2018 zu drittem Quartal 2017 - verzeichnete die EU eine Steigerung um 1,9 Prozent. In der Eurozone wurde eine Erhöhung um 1,7 Prozent verbucht.

(APA/Reuters)