Teure Energie treibt deutsche Inflation auf Zehn-Jahres-Hoch

20 09 2018 Giswil OW Benzinpreise Im Bild Mann mit Geldboerse tankt sein Auto Benzin Treibstoff
20 09 2018 Giswil OW Benzinpreise Im Bild Mann mit Geldboerse tankt sein Auto Benzin Treibstoff(c) imago/Geisser (MANUEL GEISSER)
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Auch eine Abschwächung bei den Lebensmittelpreisen und Wohnungsmieten konnte die gestiegenen Preise für Haushaltsenergie nicht auffangen. Die Preise im Oktober lagen um 2,5 Prozent höher als vor einem Jahr.

Gestiegene Energiepreise haben die Inflation in Deutschland im Oktober auf den höchsten Stand seit gut zehn Jahren getrieben. Die Verbraucherpreise lagen um 2,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Das geht aus vorläufigen Daten hervor, die das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden veröffentlicht hat.

Eine höhere Jahresteuerungsrate hatte es den Angaben zufolge zuletzt im September 2008 mit 2,8 Prozent gegeben. Von September auf Oktober 2018 stieg die Rate um 0,2 Prozent.

Deutlich mehr zahlen als im Oktober 2017 mussten Verbraucher für Haushaltsenergie und Kraftstoffe (plus 8,9 Prozent). Der gestiegene Ölpreis als Leitenergie zieht andere Energiepreise mit nach oben. Zugleich schwächelt der Euro tendenziell, was Rohöl für europäische Verbraucher teurer macht. Rohöl wird in Dollar abgerechnet. "Wer seinen Heizöltank für die bevorstehenden Wintermonate füllt, leert auf der anderen Seite mittlerweile ordentlich seine Geldbörse", sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe. Auch die Fahrt zur Tankstelle sei inzwischen wieder ein teures Unterfangen.

Auch Pauschalreisen teurer

Nach Einschätzung von Volkswirten wurde die Inflation zudem von teureren Pauschalreisen in der Herbstferienzeit beeinflusst. Der Anstieg der Nahrungsmittelpreise verlangsamte sich dagegen, sie zogen unterdurchschnittlich um 1,9 Prozent an. Für Wohnungsmieten, die gut ein Fünftel der Konsumausgaben der privaten Haushalte ausmachen, mussten Verbraucher um 1,6 Prozent mehr zahlen als im Vorjahresmonat.

Für den Euroraum insgesamt strebt die Europäische Zentralbank (EZB) mittelfristig eine Teuerungsrate knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhafte niedrige oder in großem Stil sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben. Das bremst die Wirtschaft.

Weil die Verbraucherpreise seit geraumer Zeit nach oben zeigen, strebt die Notenbank an, ihre umstrittenen Wertpapierkäufe mit Jahresende zu beenden. Sparer müssen sich allerdings noch gedulden. Die Zinsen im Euroraum sollen bis mindestens "über den Sommer" 2019 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent verharren.

Da die Inflation tendenziell wieder anzieht, verlieren Sparer auf mickrig verzinsten Tages- oder Festgeldkonten bares Geld. Im Euroraum lagen die Verbraucherpreise im September um 2,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Andererseits profitieren beispielsweise Hausbauer von vergleichsweise günstigen Kreditkonditionen.

(APA/dpa)

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