Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Bayern wartet auf den „Geistesblitz“

Ernüchterung in München: Müller, Alaba und Neuer nach dem 1:1 gegen Freiburg.
Ernüchterung in München: Müller, Alaba und Neuer nach dem 1:1 gegen Freiburg.(c) REUTERS (ANDREAS GEBERT)
  • Drucken

Bayern strauchelt weiterhin, das 1:1 gegen Freiburg verschärft Ton und Krise. Ein Instagram-Eintrag von Müllers Ehefrau gegen Trainer Kovač dokumentiert die Unzufriedenheit.

München. Von Ruhe ist weiterhin keine Spur beim FC Bayern. Denn diese simple Frage allein ging Hasan Salihamidžić dann doch entschieden zu weit. „Fragen Sie bitte solche blödsinnigen Fragen nicht“, sagte Bayerns Sportdirektor empört. Ein Reporter hatte nach dem 1:1 gegen Freiburg doch nur wissen wollen, ob denn der Job des Trainers in Gefahr sei, wenn auch gegen Dortmund das nächste Spiel verloren ginge. Und, dann wäre ja auch noch Müllers Frau, die . . .

Alles scheint in München mittlerweile denkbar in einer Zeit, in der die Bayern nach einer kurzen Stabilisierung daheim schon im vierten Pflichtspiel in Folge erfolglos blieben. Eine Niederlage gegen den BVB würde den Paradeklub doch schon sehr weit ins Hintertreffen bringen, mit sieben Punkten sogar. „Aber wir fahren nach Dortmund, um zu gewinnen“, äußerte sich Salihamidžić. „Wir geben nicht auf“, raunte er. Vom „Mia-san-Mia“-Gehabe ist derzeit nichts mehr zu sehen. Und zu hören.

Ein Tor ist keine Erlösung

Salihamidžić ging dann aber doch noch ins Detail. In München brodelt es gewaltig, seine Analyse: „Die ersten zwanzig Minuten sahen wieder nach Fußball, Freude, Druck aus. Aber wir haben nicht die Tore gemacht. Dann wurde es langsamer und langsamer.“ Ob vorne oder hinten, überall hakt es. „Träge hat unsere Spielweise ausgesehen. Selbst das Tor (Gnabry, 80.) brachte keine Erlösung.“

Das Fatum ist nicht mehr von der Hand zu weisen: Die Bayern spielen im Herbst 2018 nicht mehr in ihrer eigenen Liga. „Wir stehen zur Bundesliga – Superliga ohne uns“, texteten zwar die Fans, auch die Chefetage dementierte eifrigst all diese Gerüchte rund um eine 16-Klub starke Superliga mit dem FCB. Dabei täte diese Ablenkung gut, um von den eigenen Großbaustellen abzulenken. Zudem, Mittwoch steigt ja das Champions-League-Spiel gegen AEK Athen (0:0 gegen Panathinaikos). Da gebe es doch so viel zu besprechen, auszuloben, zu versprechen. Also sprang Thomas Müller für alle in die Bresche, wieder einmal: „Wir müssen uns ein bisschen quälen.“ Dabei war es seine Ehefrau, der an diesem Spieltag die größte Aufmerksamkeit zuteil wurde. Ihr Eintrag auf Instagram, als Thomas Müller nach der 70. Minute eingewechselt worden war, beschäftigt Fußball-Deutschland mehr als den Bayern-Bossen lieb ist.

 

„Meine Frau liebt mich halt“

Die späte Einwechslung ihres Ehemannes begleitete sie auf einem Bild, dass Trainer Niko Kovač und ihn an der Seitenlinie stehend zeigte, der Text: „Mehr als 70 Min bis der mal nen Geistesblitz hat.“ Nur 50 Minuten nach Spielende war der Eintrag gelöscht.

Wolfsburg (3:1), Athen (2:0), Mainz (2:1), Cup gegen Rödinghausen (2:1), Kovač atmete etwas Höhenluft, und jetzt warfen dieses 1:1 und Müllers Frau alle seine Antworten über den Haufen. In keiner dieser Partien konnte der Rekordmeister überzeugen.

Müller bemühte sich praktisch als Einziger, auch sportlich, aufzurütteln: „Es hilft nichts, wenn wir jetzt auseinanderfallen. In den Spielen gegen Athen und Dortmund müssen wir Farbe bekennen.“ Der Urbayer mag sich neue Kräfteverhältnisse im deutschen Fußball keinesfalls vorstellen, auch wollte er seine Rolle oder den Eintrag seiner Frau tunlichst nicht überbewerten. Beim FCB geht es weiter, professionell. „Und meine Frau liebt mich halt.“ (dpa/fin)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2018)