Der „weiße Obama“ aus Texas und der Trump-Fan aus Tennessee

Beto O'Rourke.
Beto O'Rourke.(c) REUTERS (MIKE SEGAR)

Beto O'Rourke sorgte im „roten“ Texas für Furore, Marsha Blackburn als glühende Verfechterin des Präsidenten.

Wien/New York. Ob Beto O'Rourke die Sensation schafft und die Senatswahl im „roten“, republikanisch dominierten Texas gewinnt oder, wie die jüngsten Umfragen prognostizieren, knapp verliert – der 46-Jährige aus der Grenzstadt El Paso gehört auf jeden Fall zu den Siegern und den neuen Galionsfiguren der Demokraten. Der groß gewachsene Schlaks, salopp in Jeans und mit Baseballkappe, hat viele Amerikaner elektrisiert wie zuletzt nur Barack Obama und in grauer Vorzeit John F. Kennedy, und zwar so sehr, dass er bereits als künftiger Präsidentschaftskandidat gehandelt wird.

Der Unternehmer aus einer irischstämmigen Familie, der fließend Spanisch spricht und die Cowboytraditionen nicht verleugnet, setzte auf den demografischen Wandel – die wachsende Bedeutung der Hispanics im Grenzstaat Texas – und neue Technologie. Er tourte – zum Teil mit Livebildern via Facebook – durch alle 254 Wahlbezirke im „Lone-Star“-State, dem bevölkerungsreichsten nach Kalifornien. In den liberalen „Inseln“ um Austin, Dallas und Houston entfachte der frühere Punkrocker aus Collegezeiten mit einer Mischung aus linksliberalen und moderaten Positionen für das Recht auf Waffenbesitz und Grenzschutz einen Enthusiasmus, der die Texaner womöglich frühzeitig zu den Urnen trieb – so viele wie noch nie.

Dass Beto – eigentlich Robert – O'Rourke innerhalb von nur drei Monaten 38 Millionen Dollar an Spenden einsammelte, erinnerte an die Obama-Kampagnen und rief die alarmierte Parteiführung der Republikaner auf den Plan. Seit den späten 1980er-Jahren hat Texas, die Heimat von George W. Bush und dem demokratischen Präsidenten Lyndon B. Johnson, keinen Demokraten mehr als Senator nach Washington geschickt. Ausgerechnet Donald Trump warf sich schließlich in einer randvollen Sportarena in Houston für seinen früheren Intimfeind Ted Cruz in die Bresche, den gefährdeten Amtsinhaber und Darling der evangelikalen Rechten und der Tea Party, den Trump vor zwei Jahren als „Lyin' Ted“ beschimpfte.

Marsha Blackburn hatte mit Donald Trump indessen nie ein Problem. Bei den Republikanern gibt es zwei Lager: die bedingungslosen Unterstützer wie Blackburn und die Moderaten, die den harten Kurs des Präsidenten durchaus infrage stellen. Lautstark fordert Blackburn eine Grenzmauer zu Mexiko – und mit jenen Footballspielern, die aus Protest gegen Rassismus während der Nationalhymne knien, geht sie ganz nach dem Geschmack Trumps hart ins Gericht.

In Tennessee kämpft die meinungsstarke Abgeordnete um einen Sitz im US-Senat. Es ist eines jener Rennen, die nationale Wirkung entfalten. Die Hoffnungen der Demokraten auf eine Wende im Senat beruhen unter anderem auf einer Niederlage Blackburns. Ihr tougher Kurs kommt nicht bei allen in der Heimat der Country Music an. Um fünf Prozentpunkte lag die frühere Geschäftsfrau zwischenzeitlich hinter ihrem demokratischen Konkurrenten Phil Bredesen, den Ex-Gouverneur und Ex-Bürgermeister von Nashville. Zuletzt gelang es ihr, den Spieß umzudrehen.

Wie kaum ein anderes Duell ist die Senatswahl in Tennessee eine Abstimmung über Trump. Bob Corker, der bisherige republikanische Senator, war einer der vehementesten Kritiker des Präsidenten. Dem Mann im Weißen Haus fehle die „Stabilität und die Kompetenz“, um das Land führen zu können, monierte Corker. Er weigerte sich bis zuletzt, Blackburn zu unterstützen, und sprach in höchsten Tönen von Bredesen.
Gewinnt Blackburn, wird Tennessee ein Stück weiter nach rechts rücken und Trump eine wichtige Unterstützerin im Senat gewinnen. Als der Präsident am Sonntag bei einer Kundgebung neuerlich vor einer „Invasion“ durch die Migrantenkarawane warnte, applaudierte Blackburn begeistert.

AUF EINEN BLICK

Beto O'Rourke (46)
Der Demokrat sorgte mit seinem Wahlkampf weit über Texas hinaus für Aufsehen. Sein Gegner, der Favorit Ted Cruz, musste zeitweise um einen Sieg fürchten.

Marsha Blackburn (66)
Die republikanische Kongressabgeordnete ist ein Trump-Fan der ersten Stunde und zeigte sich im Wahlkampf oft an seiner Seite. [ AFP, Reuters ]