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Die Behinderung steht bei Langusch nicht im Mittelpunkt

Edi Langusch (Mitte): „Man muss die jeweiligen Stärken der Mitarbeiter ausfindig machen, dann findet man den geeigneten Arbeitsplatz.“(c) Beigestellt
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Seit zehn Jahren integriert das Gebäudereinigungsunternehmen Langusch KG/Green & Clean Mitarbeiter hervorragend in die Arbeitsprozesse. Sie erbringen Leistungen, die auf dem freien Markt absolut wettbewerbsfähig sind.

Eduard „Edi“ Langusch arbeitete rund 20 Jahre als Datenbankentwickler. Der Job gefiel ihm, aber als ein Firmenumzug nach München anstand, warf der heute 54-Jährige das Handtuch. „Ich habe Haus und fünf Kinder und wollte unbedingt in Kärnten bleiben.“ Also kaufte er sich einen Rasenmäher und besann sich auf seine Wurzeln: „Ich bin in der Landwirtschaft aufgewachsen und liebe die Arbeit mit Pflanzen.“ So machte er sich 2008 selbstständig und gründete Green & Clean. Schlüsselerlebnis war dabei eine Begegnung mit AMS-geförderten Angestellten mit Behinderung, die nur für niedrige Dienste eingesetzt wurden. Der weltoffene Kärntner nahm sich der Menschen sofort an und erklärte ihnen die Vielfalt der Gartenarbeit. „Diese Menschen können mehr, als nur Zierpflanzen auszuzupfen.“

 

Tausendfach belohnt

Es ist nicht so, dass es der soziale Gedanke gewesen wäre, warum Edi Langusch Menschen mit Behinderung in seiner Firma einstellte. „Ich stellte fest, dass es schwierig ist, Mitarbeiter zu finden.“ Er macht keinen Unterschied zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. In erster Linie zählen ihre Fähigkeiten und nicht ihre Einschränkungen. „Man muss die jeweiligen Stärken der Mitarbeiter ausfindig machen, dann findet man den geeigneten Arbeitsplatz.“ Zum Beispiel hat er einen Mitarbeiter, der über kein Orientierungsgefühl verfügt und ein Navigationsgerät benötigt, um zu den Einsatzgebieten zu finden. „Für Mitarbeiter mit Behinderung muss man sich in der Anfangszeit mehr Zeit nehmen. Sie entwickeln sich jedoch rasch zu ebenbürtigen Arbeitskräften.“ Bereut hat er seinen Schritt noch nie. Denn als Lohn der Arbeit sind diese Mitarbeiter besonders loyal und identifizieren sich mit dem Unternehmen, weil sie erstmals die Chance auf einen vollwertigen Job bekommen. Heute arbeiten bei Green & Clean Menschen mit und ohne Behinderungen ganz selbstverständlich zusammen und erledigen zuverlässig Gartenarbeiten und Hausreinigungstätigkeiten.

Green & Clean bietet den Mitarbeitern ständig Weiterbildungsmaßnahmen. In den vergangenen zehn Jahren bereitete Edi Langusch 20 bis 25 Mitarbeiter mit Behinderung auf den Arbeitsmarkt vor. „Grundsätzlich bilde ich sie für meinen Betrieb aus. Oft werden sie mir aber abgeworben, weil sie so gut sind. Das macht mich sehr stolz.“ Gegenwärtig beschäftigt die Langusch KG sieben Mitarbeiter, drei davon mit Behinderung. „Für mich ist Inklusion keine Illusion, sondern gelebte Vision.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2018)