Amanshausers Album: Null-Aussage

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Ausgebucht. Von wegen. Denn ein Zimmer, ein Auto lässt sich immer ­wieder auftreiben. Mit etwas Einsatz und entgegen jeder Schutzbehauptung.(c) Getty Images (kickers)

73 - Die Stadt ist ausgebucht! Es gibt keinen Leihwagen! Stimmt gar nicht. Über einen Mythos.

Mir leuchtet eher ein, beim Leihwagen zu sparen als bei seiner Versicherung. Habe ich die Wahl, nehme ich das kleinste, günstigste Auto und versichere es so vollkaskohaft wie möglich. Denn nie werde ich dieses unbehagliche Gefühl vergessen, das in mir aufstieg,
als ich in einer Bucht nahe Kapstadt die Fahrertür öffnete. Ein Windstoß drosch sie mir aus der Hand, riss sie nach vorn und überdrehte sie. Der Wagen sah ziemlich ramponiert aus, und ich grübelte lange nach über meine Schuld oder Mitschuld an diesem Vorfall.

Autoausleihen ist eine Kunst. Klappert man die drei bis vier Vermietungen auf kleineren Flughäfen ab, wirkt die Sache häufig hochpreisig. Doch diese Orte schlagen einfach nur Profit aus ihrer monopolähnlichen Machtkonzentration. Gelegentlich hilft ein Taxi ins Zentrum, wo die Sache gleich anders aussieht. Meist genügt aber ein kleiner Schritt
zur Seite, um die Vermieter auszutanzen: Man holt einfach via Mobiltelefon das günstigste Angebot ein – oft zur Hälfte vom Standardpreis, manchmal beim gleichen Anbieter, aber via Vermittlerfirma.

Vielreisenden wird gern eingeredet, dass „in der ganzen Stadt“, oder, schlimmer, „auf der ganzen Insel“ alle Leihwägen ausgebucht seien: „Es gibt keinen einzigen mehr!“, höre ich regelmäßig. Dabei handelt es sich um eine Null-Aussage. Leihwägen kann man über Hotels (auch als nicht dort Wohnender) mieten, und es hat sich immer noch ein „zusätzliches Kontingent“ oder das „letzte freie Auto der Insel“ gefunden.

„Wir haben eine Konferenz für Zuchthunde, dazu einen Medizinerkongress und eine Buchmesse, daher gibt es in der ganzen Stadt kein einziges Hotelzimmer mehr.“ Diese Aussage ist ebenso glaubwürdig wie der Mythos vom letzten Leihwagen der Insel. Im ersten Moment schüchtert sie ein, doch die Welt ist groß, das Warenangebot reichhaltig, viele wollen vom Tourismus profitieren. Unterkunftsuchende müssen nur ein bisschen Fantasie entwickeln. Es gibt mehr als zehn Google-Ergebnisse, Couchsurfingseiten funktionieren auch jenseits von Airbnb, und im Café nebenan kann man herumfragen. Die Lösung taucht am Ende verlässlich auf.

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