Der Hightechkonzern leidet auch unter den Diesel-Turbulenzen der deutschen Premiumhersteller und muss die Kosten für die Hochofenerneuerung verkraften.
Wien/Linz. Vom Auf und Ab beim Stahlpreis hat sich die Voestalpine mittels Transformation zum Hightechkonzern und Konzentration auf Spezialstähle weitgehend abkoppeln können. Und so hat auch das Geschäftsjahr 2018/19 recht gut begonnen. Aber die durch US-Präsident Donald Trump ausgelösten internationalen Handelsstreitigkeiten und die „erheblichen Verwerfungen in der europäischen Autoindustrie“ – ausgelöst vor allem durch das neue Abgasemissions-Testverfahren WLTP – hinterlassen nun deutliche negative Spuren beim Linzer Konzern.
Während die Voest das erste Halbjahr mit einem Umsatzplus von 5,9 Prozent auf 6,7 Mrd. Euro abschließen konnte, fiel das Betriebsergebnis um 17,9 Prozent auf 480 Mio. Euro. Die Ebit-Marge verschlechterte sich von 9,3 auf 7,2 Prozent. Noch mehr, nämlich um 18,7 Prozent, sackte das Nettoergebnis ab, auf 316 Mio. Euro.
Konzernchef Wolfgang Eder kann auch keine rasche Entspannung in Aussicht stellen: „Wir gehen davon aus, dass sich die Verwerfungen über das zweite Halbjahr hinziehen werden“, sagte er am Mittwoch. Die Voest produziert unter anderem Karosserieteile für Autos und beliefert alle deutschen Premiumhersteller. Eder kann sich vorstellen, dass die Automobilbauer in diesem Jahr längere Werksferien abhalten werden. Zurückzuführen sei dies darauf, dass die deutschen Hersteller mit dem Nachrüsten der Autos infolge der strengeren Abgasregelungen nicht nachkämen und die Neuproduktion zurückgehe.
So etwa muss VW das große Werk im norddeutschen Emden, wo der Passat vom Band rollt, vorübergehend stilllegen, weil nicht ausreichend Dieselmotoren geliefert werden, berichtete das „Handelsblatt“.
Die Voest hat die Anleger bereits vor zwei Wochen mit einer Gewinnwarnung für 2018/19 verschreckt. Damals wurden die Jahresziele „angepasst“ – und dabei gekappt: Aus aktueller Sicht sei ein operatives Ergebnis (Ebitda) von „knapp 1,8 Mrd. Euro“ bzw. ein Betriebsergebnis (Ebit) von „etwas unter einer Mrd. Euro“ zu erwarten, hieß es auch am Mittwoch.
Anleger waren gewarnt
Deshalb hielt sich die Enttäuschung der Anleger nun auch in Grenzen: In einem nach den US-Wahlen generell freundlichen Umfeld hielt sich die Voest-Aktie leicht im Plus.
Zuvor hatte man mit Ergebnissen auf Vorjahresniveau gerechnet, also mit einem Ebit von 1,18 Mrd. Euro. 2017/18 gelang der Voest eine Ebit-Steigerung von 43 Prozent auf erstmals über eine Mrd. Euro. Damit ist es nun vorbei. In der Realwirtschaft seien die Auswirkungen der protektionistischen Handelspolitik von inzwischen einer Vielzahl an Staaten deutlich spürbar, meinte Eder. Dazu kämen die Probleme der europäischen Automobilindustrie.
Weniger ins Gewicht falle indes die Verringerung der wirtschaftlichen Dynamik in China infolge des internationalen Handelsstreits, hieß es.
Den Konzern belasten heuer auch die routinemäßige Erneuerung des großen Hochofens in Linz, die über den Sommer erfolgte und mit „deutlich verringerten Produktions- und Versandmengen“ einherging, sowie ein zweiwöchiger Betriebsstillstand wegen eines Brandes in der HBI-(Hot Briquetted Iron-)Anlage in Texas infolge von Hochwasser. Dort stellt die Voest für ihre Stahlwerke aus Eisenerzpellets sogenannten Eisenschwamm her.
Vor wenigen Monaten war man noch davon ausgegangen, dass die finanzielle Belastung durch positive konjunkturelle Effekte und zusätzliche Ergebnisbeiträge aus neuen Werken wettgemacht werden könnte. (eid/red.)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2018)