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Trump entlässt Justizminister - und sperrt CNN-Reporter aus

Jeff Sessions in der Spiegelung von Donald Trump
Jeff Sessions in der Spiegelung von Donald Trump(c) Reuters
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Justizminister Jeff Sessions verlässt auf Wunsch des US-Präsidenten seinen Posten in der Regierung von Donald Trump. Letzterer liefert sich einen heftigen Schlagabtausch mit einem Journalisten, den er eine "unverschämte, fürchterliche Person" nannte.

Unmittelbar nach den US-Kongresswahlen verschärft Präsident Donald Trump seinen Konfrontationskurs gegen Justiz und Medien. Justizminister Jeff Sessions, der auch Generalbundesanwalt ist, musste auf Drängen Trumps seinen Posten räumen. Die Opposition und Bürgerrechtsgruppen befürchten nun eine Einmischung in die Untersuchungen zur Russland-Affäre des Präsidenten und eine Entlassung des Sonderermittlers Robert Mueller.

Sessions' Entlassung sei ein "unverhohlener Versuch", die Russland-Ermittlungen zu untergraben, sagte die führende Demokratin Nancy Pelosi. Sie wird als nächste Präsidentin des Repräsentantenhauses gehandelt, nachdem ihre Partei bei der Wahl die Mehrheit in der Kongresskammer erobern konnte. Der Fraktionschef der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, sagte, Trump würde eine Verfassungskrise auslösen, wenn er Einfluss auf die Ermittlungen nähme. Beide forderten den von Trump als Sessions' kommissarischen Nachfolger eingesetzten Spitzen-Beamten Matthew Whitaker auf, sich für befangen zu erklären. Sie begründeten dies damit, dass Sessions' bisheriger Stabschef im August 2017 in einem Meinungsbeitrag für CNN erklärte, Mueller habe bei seinen Ermittlungen zu viel Spielraum.

Absetzung stand seit Längerem im Raum

"Donald Trump hat einen Spießgesellen eingesetzt, um die Trump-Russland-Untersuchung des Sonderermittlers zu beaufsichtigen", erklärte die Aktivistengruppe MoveOn. Sie rief für Donnerstagnachmittag zu landesweiten Protesten unter dem Motto "Niemand steht über dem Gesetz" auf, um Trump zu mahnen, die Ermittlungen nicht zu behindern. Trump sagte, er könne "jeden feuern". Aber er wolle die Ermittlungen aus politischen Gründen nicht stoppen. Laut den Vorschriften des Justizministeriums kann ein Sonderermittler nur bei vorliegenden gewichtigen Gründen entlassen werden. Dazu zählen Pflichtversäumnisse, wie Verstöße gegen Ministeriumsgrundsätze.

Sessions' Absetzung stand seit längerem im Raum. Bereits vor Monaten fiel der 71-Jährige bei Trump in Ungnade. Kein anderes Kabinettsmitglied sah sich in der jüngeren Geschichte so vielen und harten Angriffen eines Präsidenten in der Öffentlichkeit ausgesetzt. Sessions hatte sich in der Russland-Affäre für befangen erklärt und die Zuständigkeit an seinen Stellvertreter Rod Rosenstein abgegeben. Rosenstein machte im Mai 2017 Mueller zum Leiter der Ermittlungen in der Russland-Affäre, nachdem Trump FBI-Direktor James Comey gefeuert hatte.

Mueller untersucht unter anderem, ob es 2016 während des Präsidentschaftswahlkampfs Verwicklungen zwischen Trumps Wahlkampfstab und Russland gab und ob Trump widerrechtlich versucht hat, die Ermittlungen - und damit die Justiz - zu behindern. Trump hat wiederholt erklärt, es habe keine Zusammenarbeit mit Russland gegeben. Muellers Ermittlungen nannte er eine Hexenjagd. Es wird erwartet, dass die Demokraten die Ermittlungen forcieren, wenn sie ab Jänner im neuen Kongress das Repräsentantenhaus und den Vorsitz über diverse Ausschüsse übernehmen. Die Republikaner festigten allerdings ihre Kontrolle über den Senat. Trump könnte es somit leichter haben, einen Wunschkandidaten als Sessions' Nachfolger durchzusetzen.

Sanders: Verhalten "absolut inakzeptabel"

Trump schlug in seiner ersten Pressekonferenz nach den Kongresswahlen zunächst staatsmännische Töne an, als er seine Bereitschaft zur überparteilichen Zusammenarbeit erklärte. Doch die Stimmung schlug rasch um. Er warnte die Demokraten, irgendwelche Untersuchungen anzustrengen. "Sie können das Spiel spielen, aber wir können es besser spielen." Zum Eklat kam es schließlich, als CNN-Reporter Acosta das Mikrofon ergriff, um dem Präsidenten Fragen zu stellen. Trump verlor sofort die Geduld. "Das reicht", sagte er mehrmals. Dann versuchte eine Praktikantin des Weißen Hauses, Acosta das Mikrofon abzunehmen, doch dieser weigerte sich. Darauf Trump: "Ich sag' Ihnen was: CNN sollte sich dafür schämen, dass Sie für sie arbeiten. Sie sind eine unhöfliche und schreckliche Person."

Wenig später wurde Acosta bis auf weiteres die Akkreditierung entzogen. Präsidialamtssprecherin Sarah Sanders erklärte, Acostas Verhalten sei "absolut inakzeptabel". Sie warf ihm zudem vor, bei der Pressekonferenz die Praktikantin unangemessen berührt zu haben. CNN und Acosta wiesen das als Lüge zurück. Der US-Sender warnte: "Das ist eine beispiellose Entscheidung, die unsere Demokratie bedroht." Auch andere Journalisten, die bei der Pressekonferenz dabei waren, sagten, sie hätten nicht gesehen, dass Acosta die Praktikantin angegriffen habe. Acosta sagte, er sei am Abend noch einmal zum Weißen Haus gegangen, doch ein Mitarbeiter des Secret Service habe ihm den Zugang verweigert. Das sei eine ziemlich "surreale Erfahrung" gewesen. "Ich hätte nie gedacht, dass ich in diesem Land nicht in der Lage sein würde, über den Präsidenten der USA zu berichten, nur weil ich versucht habe, eine Frage zu stellen."

Weitere Wackelkandidaten

Nach Sessions erzwungenem Rücktritt zeichnen sich nach Medienberichten im Kabinett von Trump weitere Wechsel bis zum Jahresende ab. Als Wackelkandidaten gelten demnach Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen, Innenminister Ryan Zinke, wie die "Washington Post" und die Nachrichtenportale "Politico" sowie "The Hill" berichteten. Genannt werden aber auch die Namen von Verteidigungsminister James Mattis, dem Stabschef im Weißen Haus, John Kelly, sowie Trumps Sprecherin Sarah Sanders und Wirtschaftsminister Wilbur Ross.

Auf einen Blick

Bei den US-Kongresswahlen hat US-Präsident Donald Trump mit seinen Republikanern im Repräsentantenhaus eine Niederlage erlitten. Zum ersten Mal seit 2010 stellen die Demokraten dort wieder die Mehrheit. Im Senat konnten die Republikaner dagegen ihre knappe Mehrheit ausbauen, was Trump zum Anlass nahm, von einem „fantastischen Erfolg“ zu sprechen. Künftig können die Demokraten Gesetzesvorhaben blockieren. Der neue Kongress tritt im Jänner zusammen.

(APA/Reuters/AFP/dpa/Red.)