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Der furios aufspielende Riese aus dem Ruhrpott

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Marco Reus brilliert, mit ihm der BVB. Die Formkrise ist längst vergessen.APA/AFP/PATRIK STOLLARZ
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Deutschland. Dortmunds 3:2-Sieg im Schlager gegen Bayern sorgt für Diskussionen: War das die Wachablöse? Lucien Favre hat dem BVB jedenfalls eine neue Spielkultur aufgeprägt – Reus und Alcacer treffen, und der Rest der Liga rätselt.

Dortmund. Seit Samstag hat der FC Bayern in der deutschen Bundesliga sieben Punkte Rückstand auf Borussia Dortmund. Noch nie haben die Münchner eine solch große Differenz zu einem vergleichbaren Saisonzeitpunkt aufgeholt. Und daher stellt sich die Frage: War das die Wachablöse im deutschen Fußball?

Der überragende Marco Reus, der zweimal Bayerns Führungen durch Robert Lewandowski (26., 52.) egalisierte (49./Foulelfmeter, 67.), meinte: „In der zweiten Halbzeit haben wir richtig BVB-Fußball gespielt.“ Von der Rolle des Titelfavoriten will er trotzdem nichts wissen: Es sei einfach gut, einen Polster zu haben.

Auch der als eher wortkarg bekannte Trainer, Lucien Favre, war geradezu in Plauderlaune. „Ich werde ein Glas Rotwein trinken“, verriet der Schweizer. „Es war ein verrücktes Spiel, super Werbung für die Bundesliga.“ Wie schon in den Duellen mit Leipzig (4:1), Leverkusen (4:2) und Augsburg (4:3) sorgte sein Team für ein mitreißendes Spektakel. Deshalb träumt man im Ruhrpott schon wieder vom Teller. Den hielt man den Fans zuletzt 2012 entgegen.

Das Hoch des Revierklubs

Das weiß auch Favre, der im Sommer aus Nizza gekommen ist und eine verunsichert wirkende Mannschaft von Peter Stöger übernommen hat. „Seitdem ich hier bin, waren viele Spiele sehr speziell“, kommentierte der Coach den Kraftakt der Seinen, die gegen Bayern furios aufgespielt hatten. Er hat den schlummernden Fußballriesen also zu neuem Leben erweckt. Erst zum zweiten Mal nach 2002 in seiner Historie ist der Revierklub nach elf Runden noch ungeschlagen. Bereits zum vierten Mal in dieser Saison siegte man nach einem Rückstand.

Die Münchner scheinen nun im Titelkampf mit dem BVB zu dem geworden, als was sie Präsident Uli Hoeneß zuvor aus taktischen Gründen bereits bezeichnet hatte: der Außenseiter. Zwar beherrschten die Bayern den BVB eine Hälfte lang, doch dann deckten die Dortmunder alle Münchner Schwächen schonungslos auf. Und es knirscht augenscheinlich im Bayern-Gefüge. Tormann Manuel Neuer fühlte sich von seinen Kollegen häufig im Stich gelassen. „Dortmund hatte viel mehr als drei Chancen“, sagte Neuer: „Es hat immer wieder gebrannt. Immer war wer frei.“ Auch Thomas Müller übt offen Kritik: „Wenn man zweimal führt und verliert, kann man nicht alles richtig gemacht haben.“

Die Null-Euro-Einkaufspolitik

Die Dortmunder wirken flexibler, dynamischer und kompakter, für manche auch fitter. Während Paco Alcacer (73.) am elften Spieltag das elfte Dortmunder Joker-Tor schoss, kamen bei den Bayern (David Alaba spielte durch) kaum Impulse von der Bank. Die Null-Euro-Einkaufspolitik droht sich zu rächen.

Zuletzt gab es auch mehrfach Hinweise auf zwischenmenschliche Probleme. Bei der Suche nach dem Maulwurf, der Interna ausplaudert, sprach Trainer Niko Kovač angeblich von „diesen beiden“. Dass der als Kovač-Kritiker vermutete James Rodriguez zu spät zum Training gekommen sei, wurde als „Fehlinformation“ zurückgewiesen. Dennoch kam der WM-Torschützenkönig von 2014 nicht zum Einsatz. (fin/DPA)


[OY6EN]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2018)