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Nahost: Eskalation trotz katarischer Millionen

Israel bombardiert Ziele im Gazastreifen - hier in der Stadt Rafah.
Israel bombardiert Ziele im Gazastreifen - hier in der Stadt Rafah.(c) APA/AFP/SAID KHATIB (SAID KHATIB)

Milizen der Hamas entdecken eine israelische Sondereinheit: Eine blutige Nacht am Gazastreifen ist die Folge. Zuvor hat Katar Gehälter für Hamas-Beamte bezahlt.

Jerusalem. Die Enthüllung einer israelischen Spezialeinheit im Gazastreifen droht die ägyptischen Bemühungen für eine langfristige Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas scheitern zu lassen. Das in zivil agierende Sonderkommando war im Süden des Gazastreifens von Milizen der Hamas entdeckt worden. Bei der anschließenden Schießerei und Luftangriffen starben in der Nacht zum Montag sieben Palästinenser, darunter ein führender Hamas-Kommandant, und ein israelischer Oberstleutnant, dessen Name geheim blieb.

Die Schulen in den israelischen Ortschaften nahe dem Gazastreifen blieben am Montag geschlossen, nachdem es in der Nacht wiederholt zu Angriffen mit Raketen und Mörsergranaten gekommen war. Ein israelischer Bus wurde getroffen. Israel reagierte mit Luftangriffen auf den Gazastreifen. Die Polizei sperrte mehrere Straßen Richtung Süden, auch der Zugverkehr blieb eingeschränkt. Die Armee stockte das Truppenaufgebot auf.

Erst vergangene Woche hatte Israels Regierung drei katarischen Delegierten erlaubt, mit 15 Mio. US-Dollar in bar auf dem Flughafen Ben Gurion zu landen, um von dort aus das Geld in den Gazastreifen zu bringen. Damit sollten etwa Gehälter bezahlt werden. Premier Benjamin Netanjahu, der aufgrund der Entwicklungen seinen Besuch in Paris abbrach, hatte gehofft, dass mit der katarischen Geldspritze für die zivilen Hamas-Beamten ein Krieg vermieden werden könne. „Wir wollen eine humanitäre Krise in Gaza verhindern“, rechtfertigte er den Geldtransfer. Je schlechter es den Palästinensern in der seit elf Jahren belagerten Küstenzone geht, desto größer erscheint die Gefahr neuer Eskalationen.

Schärfster Kritiker Netanjahus ist Verteidigungsminister Avigdor Lieberman, der fürchtet, dass mit dem Geld allenfalls eine kurzfristige Beruhigung erreicht werden könne. Jegliche Kooperation mit der islamistischen Führung im Gazastreifen lehnt er rigoros ab. Stattdessen drängt er seit Monaten zu einem massiveren Vorgehen gegen die Hamas, die er für die Unruhen im Grenzgebiet allein für verantwortlich hält.

Mehr als 200 Tote bisher

Seit Ende März demonstrieren wöchentlich Tausende bis Zigtausende Palästinenser, drohen, die Grenzanlagen zu durchbrechen, und greifen mit Brandsätzen an. Mehr als 200 Palästinenser sind seither von israelischen Soldaten erschossen worden, während es auf israelischer Seite bislang zwei Tote gab und erheblichen Sachschaden.

Das Zusammenfallen von Israels Zustimmung zum Transfer der katarischen Dollar mit der Operation des israelischen Sonderkommandos in Gaza sorgte zunächst für Erklärungsbedarf. Militärexperten wiesen in israelischen Medien jedoch darauf hin, dass derartige Operationen ständig stattfinden würden. Die jüngste Operation sei „für Israels Sicherheit von extrem großer Bedeutung“ gewesen, hieß es vonseiten der Armee.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2018)