Krise in Orthodoxer Kirche weitet sich aus

Orthodoxe Kleriker nahe des Kiewer Höhlenklosters "Lawra"
Orthodoxe Kleriker nahe des Kiewer Höhlenklosters "Lawra"REUTERS

In den Streit zwischen den Patriarchen von Moskau, Kiew und Konstantinopel um die Gründung einer einzigen autonomen orthodoxen Kirche der Ukraine schaltet sich die Belgrader Orthodoxie ein: Man sei gegen so eine Kirche und unterstütze damit Moskau.

Am orthodoxen Kirchenstreit zwischen den Patriarchaten von Konstantinopel, Kiew und Moskau wegen des neuen Status der ukrainisch-orthodoxen Kirche ist nun auch die serbisch-orthodoxe Kirche beteiligt: Ihre Führung hat sich laut serbischen Medienberichten vom Dienstag entschlossen, in dieser Causa die russisch-orthodoxe Kirche zu unterstützen. Die jüngste Entscheidung des obersten Ökumenischen Patriarchates von Konstantinopel, das der Loslösung der ukrainisch-orthodoxen Kirche von Moskaus "Vormundschaft" zustimmte, sei unbegründet gewesen, teilte die serbische Kirche mit.

In einer Aussendung nach der zweitägigen Tagung der serbischen Kirchenversammlung in der Vorwoche hieß es, dass der "Beschluss über die Rehabilitierung der abtrünnigen Gruppierung (ukrainisch-orthodoxe Kirche, Anm.) unannehmbar" gewesen sei und von der serbischen Orthodoxie nicht anerkannt werde. Man betrachte die Entscheidung des Patriarchates von Konstantinopel als "nicht bindend".

Aufstand gegen Spitze der Welt-Orthodoxie?

Die ukrainisch-orthodoxe Kirche (in der Orthodoxie sind die Kirchen nach ihren jeweiligen Staaten gegliedert und in der Regel autonom) hatte sich 1992 vom Moskauer Patriarchat losgelöst und war von diesem und anderen orthodoxen Landeskirchen seither nicht anerkannt bzw. sogar als kirchenspalterisch angesehen worden. Dessen ungeachtet gab es weiterhin religiöse Einrichtungen in der Ukraine, die Moskau unterstanden (die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche - Moskauer Patriarchat) - und zu allem Überfluss existiert auch noch eine dritte, wenngleich sehr junge und kleine orthodoxe ukrainische Kirche.

Heuer indes hatten sich erstmals Bischöfe der Moskau-treuen ukrainischen Kirche von dieser losgesagt und sich für die Bildung einer einzigen orthodoxen Kirchengemeinschaft der Ukraine eingesetzt. Dasselbe ist im Sinn des Patriarchats von Konstantinopel (Istanbul), dem formellen Oberhaupt aller orthodoxen Kirchen: Dort verfügte Patriarch Bartholomäus I. im Oktober, dass es nur noch eine einzige und autonome (autokephale) orthodoxe Religionsgemeinschaft in der Ukraine geben solle; noch heuer sollten die drei Kirchen dort das in einem Konzil beschließen und ein Oberhaupt wählen. Der Erfolg des Planes ist zweifelhaft.

Streit auch zwischen Serbien und Mazedonien

Die serbisch-orthodoxe Kirche führt indes ihrerseits einen alten Streit mit der mazedonisch-orthodoxen Kirche. In Mazedonien hatte sich 1967 mithilfe des jugoslawischen Regimes eine Landeskirche gebildet, deren Autokephalie von allen anderen Orthodoxen nicht anerkannt wird. Bemühungen um Autokephalie gibt es auch bei den Orthodoxen in Montenegro, wo allerdings deren Belgrader Patriarchat weiter vorherrscht.

(APA)